Fachtagung: Späte Aufarbeitung

Lebenswelten und Verfolgung von LSBTTIQ-Menschen im deutschen Südwesten am 27.-28.6.2016 in Bad Urach

Fachtagung, 27. bis 28. Juni 2016 in Bad Urach, Haus auf der Alb

Späte Aufarbeitung
Lebenswelten und Verfolgung von LSBTTIQ-Menschen im deutschen Südwesten

Eine Kooperationsveranstaltung der LpB Baden-Württemberg, der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, der Universität Stuttgart, des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin und des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, trans- und intersexuelle sowie queere Menschen (LSBTTIQ) wurden in Deutschland lange stigmatisiert, ausgegrenzt und verfolgt. Auf der Grundlage des berüchtigten, 1935 von den Nationalsozialisten nochmals verschärften Strafrechtsparagraphen 175 wurden etwa 10.000 schwule Männer von den Nationalsozialisten ermordet. Viele weitere nichtheterosexuelle Menschen wurden drangsaliert und nachhaltig traumatisiert.

Im deutschen Südwesten waren das Stuttgarter „Hotel Silber“ als Dienstsitz der Sicherheitspolizei und die „Büchsenschmiere“, der Sitz der Kriminalpolizei in der Büchsenstraße, zentrale Orte der Repression. Nach 1945 setzte sich die Verfolgung fort.

Bis zur großen Strafrechtsreform im Jahr 1969 wurde Sexualität unter Männern als abweichendes Sexualverhalten weiter kriminalisiert und sanktioniert. Erst im Jahre 1994 wurde der § 175 ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Das begangene Unrecht und die Verletzung der Menschenwürde der Verfolgten dauern jedoch bis heute fort. Allein in Baden-Württemberg gelten heute noch immer mehrere tausend Männer als vorbestraft im Sinne des § 175.

Gegenwärtig bietet sich endlich die Gelegenheit, über ein breit angelegtes Forschungs- und Vermittlungsprojekt mit begleitender Bürgerbeteiligung die historischen Lebenswelten und die Verfolgung von LSBTTIQ-Menschen in Baden-Württemberg aufzuarbeiten und die erzielten Ergebnisse in der Gesellschaft breit zu verankern. Damit verbunden ist die Chance, das begangene Unrecht anzuerkennen und möglicherweise sogar letzte noch lebende Opfer zu rehabilitieren und zu entschädigen.

Im Rahmen der Fachtagung werden die historischen Lebensrealitäten und insbesondere die Verfolgung nichtheterosexueller Menschen unter Mitwirkung von am Forschungsprojekt arbeitenden Historiker_innen und Vertreter_innen der LSBTTIQ-Community umfassend vorgestellt. In verschiedenen Arbeitsgruppen besteht außerdem die Möglichkeit, zentrale Fragestellungen vertiefend zu diskutieren und Lösungsansätze für Vermittlungskonzepte und besondere Problemstellungen gemeinsam zu erarbeiten.

Programm Fachtagung "Späte Aufarbeitung" (Download als PDF)


Öffentliches Podiumsgespräch am 27. Juni 2016 um 19:30 Uhr in das Haus auf der Alb in Bad Urach

„Vielfalt als Bereicherung! Ohne Angst und Selbstverleugnung leben und lieben dürfen“
 
„Vielfalt als Bereicherung! Ohne Angst und Selbstverleugnung leben und lieben können“, so lautet der Titel des öffentlichen Podiumsgesprächs im Rahmen der Fachtagung „Späte Aufarbeitung. Lebenswelten und Verfolgung von LSBTTIQ-Menschen im deutschen Südwesten“ im LpB-Tagungszentrum Haus auf der Alb in Bad Urach. Zu Gast sind die Stuttgarter Stadträtin Laura Halding-Hoppenheit (Die Linke), der Stuttgarter CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Stefan Kaufmann, Marion Römmele als Mitglied des Sprechendenrats des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg, der Stadtdekan der Evangelischen Kirche Stuttgart, Sœren Schwesig, sowie Gökay Sofuoglu, der zugleich Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland und Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg ist.
 
Wie lässt sich die gesellschaftliche Akzeptanz sexueller Vielfalt fördern? Welche Erwartungen knüpfen sich an die Leitperspektive „Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“, eine von insgesamt fünf Leitperspektiven, die in den neuen Bildungsplänen verankert sind? Wie können jene Männer rehabilitiert werden, die auch noch nach 1945, bis zur großen Strafrechtsreform 1969, wegen ihrer sexuellen Orientierung nach Paragraph 175 verurteilt wurden? Mit diesen und anderen Fragen wird sich die Gesprächsrunde unter der Moderation von Dr. Wolfgang Niess (SWR) aus unterschiedlichen Blickwinkeln befassen.

Das Podiumsgespräch, zu dem auch die Öffentlichkeit eingeladen war, fand am Montag, den 27. Juni 2016 im Haus auf der Alb in Bad Urach statt.






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