Code for Culture: Digitalisiertes Kulturerbe gemeinsam nutzen

Die Stuttgarter Stolperstein Initiative, vertreten durch Adrian Schmitt stellt ihre Arbeit vor.
Die Stuttgarter Stolperstein Initiative, vertreten durch Adrian Schmitt stellt ihre Arbeit vor.

Tätigkeitsbericht:
Code for Culture – Digitalisiertes Kulturerbe gemeinsam nutzen
10. Juni 2017 in Stuttgart

Am 10. Juni 2017 wurde im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart das Programmierfestival des Projekts „Open Culture BW“ der MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft eingeleitet.

Als nachhaltig angelegte Veranstaltung verfolgt der „Game Jam“ das Ziel, neue Formate der Wissensvermittlung zu entwickeln und landesweite Kulturinstitutionen mit „Serious Games“ (ernsthafte Spiele) in Verbindung zu bringen.

Sich gerade auf spielerische Weise einem für junge Menschen möglicherweise schwer zugänglichem Sachverhalt zu nähern, hat sich mittlerweile unter dem Stichwort „Gamification“ in vielen kulturellen Bereichen etabliert. Als relevantes Mittel der Wissensvermittlung sind Serious Games in der Lage, auf unterhaltsame und interaktive Weise das Lernen von komplexen Themen, gerade für junge Menschen zu unterstützen. Dazu stellen die Kulturinstitutionen, welche international als GLAMs (Galleries, Libraries, Archives and Museums) bezeichnet werden, Entwickler/-innen aus den Bereichen Grafik, Informatik und Game Design Kulturdaten, also beispielsweise Bilder, Videos, Audios, Sounds, Karten, Meta- und Geodaten zur Verfügung.

Im Rahmen des Projekts stellen sich die GLAM-Institutionen und die Entwickler/-innen der Frage, wie digitalisierte Kunst- und Kulturobjekte spielerisch zugänglich gemacht beziehungsweise so transformiert werden können, dass das kulturelle Erbe neu aufbereitet wird um weitere Zielgruppen zu erreichen. Die 11 teilnehmenden Kulturinstitutionen, darunter das ZKM – Zentrum für Kunst und Medien, das Lindenmuseum, die Stuttgarter Stolperstein Initiative oder das Kunstmuseum Stuttgart, stellten zu diesem Zweck beim „Game Jam“ ihre Datensätze und mögliche Spielideen vor. 

Die Teamfindung oblag den Teilnehmenden auf dieser Kickoff Veranstaltung selbst. Allerdings wurde darauf geachtet, dass sich die Entwickler/-innen der unterschiedlichen Bereiche gleichmäßig auf die Institutionen verteilten. Die Teilnehmenden des Code for Culture Game Jams sind rund 60 Studierende landesweiter Hochschulen und Universitäten im Bereich der Informatik und Wirtschaftsinformatik, Game-, Grafik-, Sounddesign und anderen medien- oder kulturaffinen Studiengängen.

Darunter sind die Universitäten Tübingen und Karlsruhe, die Hochschule der Medien Stuttgart oder die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Die Arbeit am Projekt ist für die Studierenden auch aus dem Grund reizvoll, da die jeweiligen Universitäten beziehungsweise Hochschulen die Teilnahme in Form von ECTS-Punkte als Studienleistung anerkennen.


Projektleiterin Yasi Schneidt stellte Projekt und Ziele von „Code for Culture“ vor.

Im Idealfall sollen am Ende 11 verschiedene, funktionierende Prototypen entstehen, hofft die Projektleiterin Yasi Schneidt von der MFG. Es sei das Anliegen der MFG, innovative Projekte voranzutreiben und digitalisierte Artefakte offen zugänglich zu machen. Gerade in einer Zeit der fortschreitenden Digitalisierung und einer Generation von „Digital Natives“.


Projekteigene Logo „Code for Culture“

In diesem konkreten Fall handelt es sich um ein Projekt, welches vom Berliner „Coding da Vinci“ inspiriert wurde. „Coding da Vinci“ verfolgt im Raum Berlin ein ähnliches Anliegen, fokussiert sich jedoch nicht ausschließlich auf das Format der Serious Games. Eine gegenseitige Unterstützung findet sich unteranderem in Stephan Bartholmei, welcher als Vertreter der Deutschen Digitalen Bibliothek einerseits die Vorstellung der Datensätze der DDB übernahm, andererseits aber auch als einer der Gründer des Berliner Projekts zugegen war.

Konkret wurden die Konzeptideen etwa bei der Stuttgarter Stolperstein Initiative, welche Adrian Schmitt betreut. Die Stolpersteine, von denen es in Stuttgart mittlerweile weit über 800 gibt, sind aus Beton gegossene 10x10 cm große Steine, welche mit einer Messingtafel versehen und in öffentliche Gehwege bündig eingelassen werden.

Die Stolpersteine, über die der Vorbeigehende sozusagen im Geiste darüber stolpert, sollen dazu anregen, kurz innezuhalten und die Eingravierung zu lesen. Die Idee zu solchen Stolpersteinen stammt vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der seit Mitte der 90er Jahre über 56.000 solcher Steine in ganz Europa verlegt hat.

Ein mögliches Spiel soll in erster Linie dazu dienen, die NS-Opfer aus der Anonymität herauszuholen, indem Verlust, Ausmaß und Erinnerung erfahrbar gemacht werden. Für einen Prototyp hat man sich auf einen begrenzten Raum in Stuttgart am Hallschlag festgelegt, der ca. 20 Stolpersteine umfasst.

Thematisch liegt der Schwerpunkt auf den regionalen Widerstandskämpfern- und Aktionen, welche mit der Umgebung kontextualisiert werden sollen. Das Spiel könnte es ermöglichen, die Schicksale der betroffenen Personen selbst zu recherchieren. Dadurch soll das Stolperstein-Projekt interaktiv erlebbar werden.

Der eigentliche „Game Jam“ fand am Wochenende vom 16. bis 18. Juni im Shackspace in Stuttgart statt. Die gebildeten Teams um die Datensätze der Kulturinstitutionen arbeiteten dort an ersten Prototypen.

Anschließend startete die viermonatige Projektphase, in welchen den Teams die Möglichkeit gegeben wird die Spiele mit der Computerspielschule bei Jugendlichen zu testen, weitere Feedbackgespräche sowohl mit den Vertretern aus der Kulturinstitution als auch mit den Game Jam Mentoren einzuholen und dementsprechend das Spiel weiterzuentwickeln.

Im November wird eine Fachjury die besten Spiele in den Kategorien „Best Serious Game“, „Best Mobile Game“ und „Best Design“ küren. Die „Code for Culture“-Preisverleihung ist Teil der OPEN! – Konferenz für digitale Innovation in Stuttgart am 6. Dezember 2017. Die drei Gewinnerteams werden Gelegenheit haben, ihre Spiele dort öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

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