Museum Synagoge Affaltrach: Dauerausstellung „Das jüdische Zwangsaltenheim Eschenau“

Ausstellung auf der Empore der ehemaligen Synagoge. Foto: PETERS DESIGN Augtionshaus Otterstrasse 11, 73663 Berglen

Das jüdische Zwangsaltenheim Eschenau:
Eine Dauerausstellung in der ehemaligen Synagoge Affaltrach

Ab Dezember 1941 wurden im Schloss Eschenau 93 alte Jüdinnen und Juden mit 19 jüdischen Betreuerinnen und Betreuern zwangseinquartiert. Sie kamen vor allem aus zwei jüdischen Altenheimen in Stuttgart, aber auch aus anderen Gemeinden. Das Zwangsaltenheim im Eschenauer Schloss war eines von mehreren, das die Nationalsozialisten im Zuge der sogenannten Freimachung der Städte von Juden einrichteten.

Der Alltag im Schloss war eintönig, das Leben eingeschränkt. Es fehlte jede Privatsphäre, denn mehrere Personen lebten in einem Raum. Viele litten unter Einsamkeit, weil sie ihre familiären Bindungen und freundschaftlichen Kontakte verloren hatten. Begegnungen mit der Eschenauer Bevölkerung gab es kaum.

Ab 20 Uhr bestand Ausgehverbot. Schikanen, ungenügend beheizte Räume im kalten Winter 1941/42, mangelhafte hygienische Verhältnisse und unzureichende Ernährung setzten den alten Menschen zu und machten sie anfällig für Krankheiten.

Am 19. August 1942 wurden die Heimbewohner und ihr Betreuungspersonal in das Sammellager auf dem Killesberg gebracht und am 22. August nach Theresienstadt deportiert.

Aufgrund der katastrophalen Haftbedingungen und der menschenunwürdigen Lebensverhältnisse starben von den 80 deportierten Heimbewohnern 42 in den ersten Wochen, 15 in den folgenden Monaten. 17 wurden im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Nur zwei Frauen überlebten Theresienstadt. Von den 18 Deportierten des Personals überlebten vier Frauen Theresienstadt. Eine Frau konnte aus Auschwitz befreit werden. Nach der Deportation der Altenheimbewohner wurden ihre Habseligkeiten  in mehreren öffentlichen Auktionen versteigert.


Ausstellungstafel: Jüdisches Zwangsaltenheim Eschenau. Foto: PETERS DESIGN Augtionshaus Otterstrasse 11, 73663 Berglen

Zusätzlich zu zwölf Ausstellungstafeln, die die Geschichte des Zwangsaltenheims und seiner Bewohner zeigen, erinnert ein Gedenkband auf der Brüstung der Empore in der Synagoge an die ehemaligen Bewohner.

Es nennt die 112 Namen der jüdischen Frauen und Männer, die in Eschenau waren, mit Geburtsdatum und Geburtsort sowie Sterbedatum und Todesort.
Der Verein „Freundeskreis ehemalige Synagoge Affaltrach e.V.“ hat die Geschichte des Zwangsaltenheims in mehr als dreijähriger Arbeit erforscht.

Durch ausgedehnte Recherchen in den Archiven der Kommune, des Landkreises und des Landes sowie durch eine Reihe von Interviews mit Zeitzeugen gelang es, die Geschichte des Altenheimes umfassend darzustellen. Das Buch  „Das jüdische Zwangsaltenheim Eschenau und seine Bewohner“, herausgegeben von Martin Ulmer und Martin Ritter (Barbara Staudacher Verlag, Horb-Rexingen 2013) dokumentiert die Geschichte des jüdischen Zwangsaltenheims ausführlich.

Die ehemalige Synagoge Affaltrach ist die einzige erhaltene Synagoge im Kreis Heilbronn. Sie ist eine der wenigen Synagogen, die alle Räume, die für das kultische wie das tägliche Leben einer jüdischen Gemeinde wichtig sind, in einem Gebäude vereinte: Betsaal, Schulzimmer, Sitzungszimmer, rituelles Tauchbad (Mikwe), koschere Küche und Lehrerwohnung.


Das Museum Synagoge Affaltrach von außen. Foto: „Freundeskreis ehemalige Synagoge Affaltrach e.V.“ oder „privat“

In der Synagoge Affaltrach ist eine weitere Ausstellung zur Geschichte der Juden in Stadt und Landkreis Heilbronn vom Mittelalter bis heute zu sehen.

  • Öffnungszeiten: Das Museum ist von Mitte März bis Mitte November mittwochs und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.
  • Führungen: Für Gruppen finden nach Vereinbarung ganzjährig Sonderführungen statt.

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