Bewerbung um das Europäsche Kulturerbesiegel: KZ-Komplex Natzweiler

Natzweiler Mahnmal. Foto: LpB
Natzweiler Mahnmal. Foto: LpB

KZ-Komplex Natzweiler:
Eine länderübergreifende Bewerbung um das Europäsche Kulturerbesiegel -
Gedenkstätten in Frankreich und in Baden-Württemberg betreten gemeinsam Neuland

Mit dem Europäischen Kulturerbesiegel zeichnet die Europäische Union seit 2011 Kulturdenkmale, Kulturlandschaften und Gedenkstätten von hohem symbolischem europäischem Wert aus, an denen besondere Vermittlungsprojekte für die europäische Öffentlichkeit und insbesondere für junge Menschen angeboten werden.

Mit dem Antrag „Das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler und seine Außenlager“ unter französischer Federführung und baden-württembergischer Beteiligung betreten die Antragsteller Neuland. Die Entscheidung über die Zuerkennung des Siegels fällt voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2018.

Für das Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden-Württemberg erläutern Frédérique Neau-Dufour, Direktorin des CERD, Dorothee Roos, Vorsitzende des VGNK, und Sibylle Thelen, LpB, Hintergründe, Schwerpunkte und Motive der Bewerbung.

Der KZ-Komplex Natzweiler ist gleichermaßen Symbol nationalsozialistischen Terrors, zivilgesellschaftlicher Aufarbeitung und deutsch-französischer Aussöhnung. Mehr als 52.000 Häftlinge aus etwa 30 Ländern Europas waren im Hauptlager Natzweiler-Struthof im annektierten Elsass und in den mehr als 55 Außenlagern (vor allem im heutigen Baden-Württemberg) inhaftiert. Das Stammlager in Frankreich bestand bis 1944, in den Außenlagern auf der rechten Rheinseite wurde noch bis 1945 Menschen aus zahlreichen europäischen Ländern als Arbeitssklaven im Dienst der deutschen Kriegsindustrie ausgebeutet und getötet.


Natzweiler: Blick über das ehemalige Lagergelände. Foto: LpB

Seit den 1980er Jahren haben sich Bürger/-innen für die Aufarbeitung der NS-Geschichte engagiert – auch gegen den Widerstand örtlicher Autoritäten. Im November letzten Jahres haben sich zwölf Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen zum Verbund der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler (VGKN) zusammengeschlossen. In Frankreich entstand das Centre Européen du Résistant Déporté (CERD).

Nachdem sich zunächst national getrennte Erinnerungsstätten und -kulturen etabliert haben, intensiviert sich seit etwa zehn Jahren der deutsch-französische Austausch. Die Bewerbung um das Europäische Kulturerbesiegel ist Ausdruck dieser Kooperation und soll gleichzeitig die Zusammenarbeit auf binationaler und europäischer Ebene vertiefen.


Natzweiler: Auf dem Weg zum CERD. Foto: LpB

Auf der wissenschaftlichen und der "Gedenk-Ebene" existierten etwa 50 Jahre lang zwei national getrennte Erinnerungskulturen, die aber dieselbe Häftlings- und Tätergesellschaft betrafen. Die Bewerbung führt nunmehr zusammen, was  zusammengehört
(Dorothee Roos, Vorsitzende des Verbundes der Gedenkstätten im KZ-Komplex Natzweiler).

Geplant ist beispielsweise ein gemeinsames  Webportal und der Ausbau mehrsprachiger Angebote. Dabei sollen insbesondere Jugendliche als Zielgruppe in den Blick genommen werden.

Die Entscheidung über die Zuerkennung des Siegels fällt voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2018


Natzweiler Gedenkstein. Foto: LpB

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