



Jüdisches Museum Emmendingen
Kontaktdaten:
Schlossplatz 779312 Emmendingen
Telefon: 07641/574444
E-Mail: info@juedisches-museum-emmendingen.de
WWW: www.juedisches-museum-emmendingen.de
Öffnungszeiten:
Mi. und So. von 14.00–17.00 Uhr.
Führungen nach telefonischer Vereinbarung.
Beschreibung
Carola GrasseDie ersten Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Emmendingen waren fünf aus dem schweizerischen Thurgau und aus dem Elsass vertriebene jüdische Familien, die 1716 in den Schutz genommen wurden. Im Jahr 1727 wurde im Haus Kirchstraße 11 des jüdischen Händlers Moyses Gydeon ein Betsaal eingerichtet; seit 1763 diente das Haus den Emmendinger Juden offiziell als Synagoge. Die wachsende Israelitische Gemeinde errichtete 1823 auf einem Grundstück am benachbarten Schlossplatz eine neue Synagoge, die 1869 und nochmals 1922/23 renoviert und erweitert wurde, da die Zahl der Gemeindemitglieder gestiegen war. Im Zuge der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde die Synagoge unter der Beteiligung von Emmendinger Bürgern geschändet und zerstört. Am 22. Oktober 1940 schließlich deportierten die Nationalsozialisten 71 Emmendinger
Juden in das südwestfranzösische Internierungslager Gurs. Die Israelitische
Gemeinde Emmendingen war damit ausgelöscht.
Die Mikwe der Israelitischen Gemeinde Emmendingen
Seit April 1997 beherbergt das sanierte Mikwengebäude das Jüdische Museum
Emmendingen, das gleichermaßen klassisches Museum, Gedenkstätte, Begegnungsort und Tagungsraum für Veranstaltungen ist. Im Keller befindet sich die um 1840 erbaute denkmalgeschützte Mikwe. Im Erdgeschoss erwarten
den Besucher eine Ausstellung zur Geschichte der Israelitischen Gemeinde
Emmendingen zwischen 1716 und 1940, eine Dokumentation des Schicksals der Emmendinger Juden während der Nazi-Diktatur sowie wechselnde Sonderausstellungen. Zahlreiche Exponate veranschaulichen die jüdische Kultur
und das jüdische Alltagsleben. Die jüdischen Feste im Jahreslauf werden ausführlich erläutert. Im Obergeschoss steht den Besuchern ein Lese- und Seminarraum mit Literatur, Videos und DVDs zum Judentum und zur jüdischen
Geschichte zur Verfügung. Das Jüdische Museum Emmendingen versteht sich
als Ort des Erinnerns, Gedenkens, Lernens und der Begegnung mit jüdischem
Leben in heutiger Zeit.
Gedenkstättenpädagogische Arbeit
Die Mikwe ist ein rituelles Tauchbad, in dem durch vollständiges Untertauchen
der Übergang vom rituell Unreinen zum rituell Reinen vollzogen wird. Sie ist eine der wichtigsten jüdischen Gemeindeeinrichtungen und befindet sich, wie auch in Emmendingen, meist in unmittelbarer Nähe der Synagoge. 1837 kaufte die Israelitische Gemeinde Emmendingen ein Grundstück am Mühlenbach zur Errichtung eines „Badhauses“. Das Brandversicherungsbuch von 1843 erwähnt „eine Wohnung, das Badhaus der Israeliten mit einem Riegelstock“. Die um 1840 erbaute Mikwe wurde bis etwa 1900 benutzt und musste danach aufgegeben werden, da Gewerbeabwässer den Bach verschmutzten. Bis zur Vernichtung der Gemeinde im Oktober 1940 wurde das Mikwengebäude vom Synagogendiener bewohnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Mikwe in Vergessenheit. Erst 1988 wurde sie wiederentdeckt, in den folgenden Jahren restauriert und schließlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In Baden-Württemberg sind heute nur wenige vom Synagogenbau getrennte Anlagen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten. Die Mikwe in Emmendingen ist daher ein bedeutendes Kulturdenkmal.
Der Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen
1988 initiierte eine Gruppe von engagierten Emmendinger Bürgern eine öffentliche Debatte um den Text für eine zweite Gedenktafel am Standort der zerstörten Synagoge auf dem Schlossplatz, der die Reichspogromnacht als Ursache und Emmendinger Bürger als Täter der Synagogenzerstörung nennen sollte. Der heftige öffentliche Diskurs um die Gedenktafeln und die Aufarbeitung der lokalen NS-Geschichte, die Wiederentdeckung der Mikwe und die bewegende Begegnung mit 42 aus ihrer Heimatstadt vertriebenen Emmendinger Juden, die 1989 erstmals offiziell von der Stadt Emmendingen eingeladen wurden, erwiesen sich als die entscheidenden Impulse zur Gründung des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e. V. im Jahre 1988. Das Ziel des überkonfessionellen Vereins ist es, an die jüdische Geschichte der Stadt Emmendingen zu erinnern, sie zu erforschen und zu dokumentieren, sowie die Erinnerung an die Verbrechen gegenüber der jüdischen Bevölkerung und an die vertriebenen und ermordeten Emmendinger Jüdinnen und Juden wachzuhalten.
Von Anfang an plante man im Verein, die wiederentdeckte Mikwe zu restaurieren und in dem Gebäude ein Museum für jüdische Geschichte einzurichten. Mit Mitteln der Landesdenkmalstiftung und der Stadt Emmendingen, mit Geld- und Sachspenden von örtlichen Betrieben und mit privater Unterstützung konnten das Gebäude und die Mikwe in jahrelanger, vorwiegend ehrenamtlicher Arbeit engagierter Vereinsmitglieder restauriert werden. Der Trägerverein sieht seine Aufgabe heute jedoch nicht nur in der Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in der Vergangenheit. Satzungsgemäß besteht seine Aufgabe insbesondere darin, das jüdische Leben der Gegenwart zu begleiten und die 1995 neu gegründete Jüdische Gemeinde Emmendingen in allen ihren Belangen zu unterstützen. Der Verein setzt sich für den friedvollen Dialog der Religionen, für ein achtungsvolles Miteinander von Menschen unterschiedlicher Konfessionen, für die Wahrung der Menschenrechte, gegen Antisemitismus und gegen die Diskriminierung von Minderheiten ein.
Das Jüdische Museum im Mikwengebäude
Neben den regulären Öffnungszeiten des Museums bietet der Trägerverein für
Gruppen Führungen und Begleitungen im Museum an. Dieses Angebot wird
insbesondere von Schulklassen aus dem süd- und mittelbadischen Raum, daneben aber auch von außerschulischen Jugend- und Erwachsenengruppen intensiv genutzt. Führungen und Begleitungen sollen Wissen über die historischen Ereignisse und über die Handlungen von Tätern, Mitwissern und Widerstehenden vermitteln und dadurch das Bewusstsein für das begangene Unrecht fördern. Damit wird auch ein Beitrag zur Menschenrechtserziehung geleistet und die Bereitschaft zur Verteidigung der Menschenrechte unterstützt, indem demokratische Grundwerte, Zivilcourage, Dialogfähigkeit und Offenheit gefördert werden. Das Ziel der gedenkstättenpädagogischen Arbeit ist so die Entwicklung eines eigenen Standpunktes zur Geschichte und in der Gegenwart.
Eine Vielzahl weiterer Aktivitäten der Gedenkstätte greift diesen Leitgedanken
auf. So werden Tage der offenen Tür mit begleitendem Kulturprogramm
etwa zum Europäischen Tag der jüdischen Kultur, zum Tag des offenen Denkmals, eine jährliche Museumsnacht und eine Emmendinger Lesenacht veranstaltet. Es werden kulturelle Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Aspekten jüdischen Lebens in Zusammenarbeit mit der Jüdischen Gemeinde Emmendingen und mit dem städtischen Kulturamt sowie Zeitzeugengespräche und Gedenkveranstaltungen angeboten. Außerdem hat sich der Verein erfolgreich für die Errichtung von Gedenksteinen für die ermordeten Emmendinger Juden sowie für eine Bronzeplatte mit dem Grundriss und der Portalansicht der zerstörten Emmendinger Synagoge eingesetzt. Der Verein organisiert Tagungen, Symposien, Ausflüge, Exkursionen, Kurse und Seminare zum Thema Judentum in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, leistet Archivarbeit, veröffentlicht Publikationen und führt Fortbildungsveranstaltungen für Lehrer und Gruppenpädagogen durch.
Dipl.-Päd. Carola Grasse ist Erste Vorsitzende des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e. V.
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