Gedenkbuch

Gedenkbuch des Landtags von Baden-Württemberg



Kontaktdaten:

Landtag von Baden-Württemberg
Haus des Landtags
Konrad-Adenauer-Straße 3

70173 Stuttgart

Telefon: 0711/2063-0
WWW: www.landtag-bw.de/parlament/der_landtag/gedenkbuch.asp

Das äußerlich schlicht gehaltene Gedenkbuch auf dem einfachen Pult im Hauptgeschoss (1. Obergeschoss) des Hauses des Landtags kann von Mo.–Fr. von 9.00–17.00 Uhr nach Anmeldung an der Landtagspforte eingesehen werden. Über den Inhalt des Gedenkbuches wurde eine verkleinerte Broschüre angefertigt, die über das Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie das Landtagsarchiv bezogen werden kann.





Beschreibung

Günther Bradler

Das Präsidium des 13. Landtags von Baden-Württemberg hat im Jahr 2003 aus Anlass des 70. Jahrestags der Machtübernahme der Nationalsozialisten beschlossen, eine Dokumentation in Buchform zum Gedenken an ermordete oder aufgrund der Verfolgung zu Tode gekommene Mitglieder der Landtage des Freistaates Baden und des Freien Volksstaates Württemberg (1919–1933) im Hauptgeschoss des Hauses des Landtags aufzulegen.
Dieses Gedenkbuch schildert schlaglichtartig und in äußerster Knappheit das Lebensschicksal von achtzehn badischen und württembergischen Landtagsabgeordneten. Viele von ihnen waren gleichzeitig Mitglieder des Deutschen Reichstags, leisteten Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime und hatten infolgedessen unter Verfolgung und Unterdrückung bis hin zum Verlust ihres Lebens zu leiden.
Dieses Gedenkbuch befasst sich erstens mit dem Ende des demokratischen Rechtsstaates der Weimarer Republik, zweitens mit der Verfassung des Deutschen Reichs, der „Weimarer Reichsverfassung“ vom 11. August 1919, sowie drittens mit Auszügen über die Grund- und Menschenrechte, die Stellung der Reichstags- und Landtagsabgeordneten und deren Immunität, die Befugnisse des Reichspräsidenten und anderem mehr.

Die Opfer im Gedenkbuch

In alphabetischer Reihenfolge werden diese Politiker in dem Gedenkbuch gewürdigt: Der württembergische Staatspräsident und das Mitglied des Widerstandskreises um Carl Goerdeler, Eugen Bolz (1881–1945) vom Zentrum, der in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde; der Widerstandskämpfer Hermann Böning (1884–1939) von der KPD; Fritz Elsas (1890–1945) von der DDP, ebenfalls Mitglied des Widerstandskreises um Carl Goerdeler und Wilhelm Leuschner; der Schriftsteller und Journalist Johannes Fischer (1880–1942) von der DDP, der 1942 an den Spätfolgen seiner Haftzeit im Jahr 1933 im KZ Heuberg gestorben ist; der Sozialdemokrat Karl Großhans (1881–1946), der an den Folgen der KZ-Haft in Natzweiler, Dachau und Mauthausen starb; die beiden Sozialdemokraten Josef Heid (1882–1944) und Julius Helmstädter (1879–1945), die im KZ Dachau umgekommen sind; der Sozialdemokrat Leo Kullmann (1877–1941), der ins südwestfranzösische Gurs deportiert wurde und dort gestorben ist; der Widerstandskämpfer Georg Lechleiter (1885–1942) von der KPD, der vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und im Stuttgarter Justizkomplex guillotiniert wurde; der Jurist Guido Leser (1883–1942) von der DDP, Mitglied des Heidelberger Kreises um Max, Marianne und Alfred Weber, der mit seiner Frau in Berlin den Freitod wählte, um einer Deportation in das KZ Theresienstadt zu entgehen; der Sozialdemokrat Ludwig Marum (1882–1934), der im KZ Kislau erdrosselt wurde; Paul Rehbach (1874–1934) von der KPD und später der SAP, der in sogenannter „Schutzhaft“ war; der Sozialdemokrat Leopold Rückert (1881–1942), der eine „Schutzhaft“ im Gefängnis Karlsruhe erlitt; Karl Ruggaber (1887–1936) von der SPD, der an den Folgen einer „Schutzhaft“ in Ulm gestorben ist; der Kommunist und Widerständler Karl Schneck (1886–1943), der als politischer Asylsuchender von stalinistischen Sowjets nach Ost-Kasachstan evakuiert wurde und dort umkam; die Sozialdemokratin Laura Schradin (1878–1937), die unter ständigen Drangsalierungen durch die Gestapo zu leiden hatte und zu einer zweimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde; der spätere SPD-Bundesvorsitzende Kurt Schumacher (1895–1952), der mehrere KZ-Inhaftierungen, unter anderem im Oberen Kuhberg in Ulm, überlebte und bei Kriegsende untertauchen konnte, sowie Jakob Weimer (1887–1944), ebenfalls SPD, der im August 1944 festgenommen, während eines Verhörs misshandelt wurde und an den Folgen verstarb.

Der Anhang des Buches

Im Anhang des Buches werden unterschiedliche Themenbereiche dokumentiert,
wie Gesetzes- und Verordnungstexte von 1933 und 1934 (Notverordnungen und Ermächtigungsgesetz usw.), thematische Karten zur Verwaltungsgliederung in Baden, Württemberg sowie im preußischen Regierungsbezirk Hohenzollerische Lande im Jahr 1933, die Konzentrationslager in Baden und Württemberg sowie im preußischen Regierungsbezirk Hohenzollerische Lande der Jahre 1933–1945, die Konzentrations- und Vernichtungslager im nationalsozialistischen Deutschen Reich bzw. Großdeutschen Reich von 1933–1945, Stadtpläne Stuttgarts aus den Jahren 1942 und 2004 sowie in Auswahl Quellen und Literatur zum Gedenkbuch.
Dieses Gedenkbuch dient den Bürgerinnen und Bürgern – besonders der jüngeren Generation – unseres Landes zur Aufklärung über die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft und weist gleichzeitig auf den hohen Wert der durch die parlamentarisch-rechtsstaatliche Demokratie garantierten Menschenrechte hin.

Dr. Günther Bradler ist Historiker und Leiter des Informationsdienstes und des Archivs des Landtags von Baden-Württemberg.






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