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Kultur- und Kunstmuseum Walldürn-Rippberg



Kontaktdaten:

Amorbacher Straße 30
74731 Walldürn

Telefon: 06286/295
E-Mail: info@kultur-kunst-museum.de
WWW: www.kultur-kunst-museum.de

Informationen und Öffnungszeiten:
Sonntags von 14.00–16.00 Uhr oder nach Vereinbarung.

Stadt Walldürn
Tourist-Information
Tel.: 06282/67107
stadt@wallduern.de
www.wallduern.de





Beschreibung

Daniel H. Mahr/Konrad Pflug

In Walldürn bestand bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde. Sie wurde Opfer der Pogrome in den Jahren 1298, 1335/37 und 1348/49 und dabei vernichtet. Um 1720 lebten wieder drei jüdische Familien im Ort. Die Höchstzahl der jüdischen Bevölkerung wurde 1864 mit 38 Personen erreicht. 1933, im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten, waren es noch 19 Personen. Die in den folgenden Jahren immer kleiner werdende Gemeinde wurde am 8. November 1937 aufgelöst, das Gebäude in der Zunftgasse 3 mit dem Betsaal wurde verkauft und in ein Wohnhaus umgebaut. Nur noch einige Stuckdecken darin und seit 1989 eine Gedenktafel erinnern an seine Geschichte.
An die ehemaligen Synagogen und jüdischen Gemeinden in der Region erinnert vor allem die Gedenkstätte in Adelsheim-Sennfeld. Zwischen Walldürn und Sennfeld bestanden vor allem in den 1920er- und 1930er-Jahren besondere Beziehungen: Der Betsaal in Walldürn war, bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten, Treffpunkt für die Chaluzim auch aus Sennfeld, der Jugendlichen also, die sich auf jüdischen und nichtjüdischen Bauernhöfen auf die Auswanderung nach Palästina und auf landwirtschaftliche Berufe vorbereiteten.
Das Kultur- und Kunstmuseum Walldürn-Rippberg erinnert auf seine ganz eigene Art und Weise an die Geschichte des Judentums im Bauland, den östlichen Ausläufern des Odenwaldes im Nordosten Baden-Württembergs. Das Museum schlägt eine Brücke zwischen Geschichte, Kunst und Religion mit dem Herzstück der wohlsortierten Ausstellung von jüdischen Kult- und Gebrauchsgegenständen wie den Thorarollen, dem Talit und dem Tefillin (Gebetsmantel und -riemen) und der Menora, dem siebenarmigen Leuchter. Die Führungen durch das Museum machen den Raum zu einem Fenster zum jüdischen Leben, wenn sich fundierte Erzählungen mit unterhaltsamen Anekdoten abwechseln. Dabei wird eine in Europa ausgelöschte Kultur lebendig, aber nicht als Kultur der Opfer, sondern als vielfältige und gelebte Kultur des alltäglichen Lebens. Die Begegnung mit jüdischen Kultgegenständen und das Kennenlernen ihres Verwendungszusammenhangs sind dabei die Ausgangspunkte, um mit den Besuchern zum Wesen der jüdischen Religion vorzudringen und diese als Bekenntnis zu dem einen Gott verstehen zu lernen. Damit wird auch die Absicht verfolgt, den Dialog zwischen Juden und Nichtjuden zu fördern und lebendig zu halten.
Die Räumlichkeiten des Museums erstrecken sich über zweihundert Quadratmeter und werden von einem Sponsor kostenfrei zur Verfügung gestellt. Durch die großzügige Unterstützung der Stadt Walldürn, ihres Bürgermeisters und ihres Gemeinderats konnte das Projekt realisiert werden. Aber auch örtliche Banken und Industrieunternehmen waren als Förderer aktiv. Im Kultur- und Kunstmuseum in Walldürn-Ripperg ist auch eine Anzahl von Werken verschiedener Künstler zu sehen, unter anderem Werke von Ramona Müller-Hamleh, Maria Kreuzer; Jacky Bandow, Rolf Hamleh, Bernd Scheubert, Fernand Semma, Jossie Stern, Gunther Schmidt, EIsa-Bertha Fischer-Ginsburg, Heinrich Fischer; Sina Hofmann-Ginsburg, Lutz Herfel sowie von Daniel Mahr, der das Museum aufgebaut hat und der es auch führt.

Daniel H. Mahr ist bildender Künstler und Kurator des Museums. Konrad Pflug ist Leiter der Abteilung „Demokratisches Engagement“ der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg und betreut den Fachbereich „Gedenkstättenarbeit“.




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