

Gedenkstätte ehemalige Synagoge Michelbach an der Lücke
Kontaktdaten:
Gedenkstätte ehemalige Synagoge Michelbach an der LückeJudengasse
74599 Wallhausen-Michelbach an der Lücke
Telefon: 07955/93810
E-Mail: rathaus@gemeinde-wallhausen.de
WWW: www.crailsheim.de/204.0.html#c337
Träger der Einrichtung:
Gemeinde Wallhausen
Seestraße 2
74599 Wallhausen
Tel.: 07955/93810
Förderverein:
Synagoge Michelbach
Pfarrer Bernhard Ritter
Pfarramt Hengstfeld
74599 Wallhausen
Tel.: 07955/2246
Kontaktadressen:
Gemeinde Wallhausen
Seestraße 2
74599 Wallhausen
Tel.: 07955/93810
Dieter Kleinhanß (Ortsvorsteher)
Sonnenweg 25
74599 Wallhausen
Tel.: 07955/3242
Öffnungszeiten:
Besuch und Führung nach Vereinbarung.
Beschreibung
Bernhard RitterDas ehemalige jüdische Gotteshaus in Michelbach an der Lücke (Gemeinde Wallhausen im Landkreis Schwäbisch Hall) dient heute als Gedenkstätte und Museum. Die ehemalige Synagoge ist das älteste heute noch erhaltene jüdische Gotteshaus in Württemberg. Die Geschichte dieser jüdischen Gemeinde begann 1556 mit einem Juden namens „Mosse”. 1520 war es in Rothenburg ob der Tauber zu einer unblutigen Judenvertreibung gekommen. Die Vertriebenen, allesamt Händler, zogen in die an das Gebiet Rothenburgs angrenzenden Dörfer, meist in die kleinen Ritterschaften Frankens, unter anderem nach Michelbach.
Das jüdische Wohngebiet in Michelbach konzentrierte sich im Wesentlichen um die Synagoge. Diese wurde im Jahre 1757 errichtet. Bis zu diesem Zeitpunkt befand sich ein Betsaal in einem Privathaus, der schließlich zu klein wurde und einen Synagogenneubau erforderlich machte. Die Merkmale einer ländlichen Barocksynagoge lassen sich noch heute am und im Gebäude erkennen: Es ist ein schlichter Bau mit Walmdach und einem hellen symmetrischen Innenraum. Die Synagoge – auf Griechisch „Haus der Zusammenkunft” – diente als Ort des Gebets, des Lernens und der Versammlung. Sie ging damit über eine rein gottesdienstliche Nutzung weit hinaus. In ihr wurde gefeiert, es wurden Probleme miteinander besprochen oder Texte auswendig gelernt. Bis heute noch werden Synagogen auch „Schul” genannt.
Die höchste Zahl jüdischer Bewohner in Michelbach wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erreicht, als sie mehr als ein Drittel der Bevölkerung ausmachten. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Michelbacher Synagoge weder abgebrannt noch – abgesehen von einem eingeworfenen Fenster – stark beschädigt. Allerdings wurde von den Nationalsozialisten künftig der Gottesdienst untersagt. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Inneneinrichtung zerstört, als die Synagoge zu einem Munitionsdepot wurde.
Die letzten rund zwanzig jüdischen Mitbürger von Michelbach wurden in den Jahren 1941 und 1942 nach Riga und Theresienstadt deportiert. Nur zwei Michelbacher Juden überlebten den Holocaust: Moritz Eichberg und Thea Gundelfinger. Während Thea Gundelfinger in die Vereinigten Staaten auswanderte, kehrte Moritz Eichberg nach Michelbach zurück und wohnte wieder im Ort, bis er nach Crailsheim umzog. Dort ist er auch beerdigt.
Die Synagoge heute
Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Synagoge als Lagerraum. 1979 stellte der damalige Besitzer einen Abbruchantrag für das inzwischen fast völlig verfallene Haus. Durch diesen Antrag wurde der Landkreis aufmerksam und erwarb das Gebäude. Mit sachkundiger Unterstützung des Landkreises Schwäbisch Hall wurde die Synagoge in den Jahren 1983/84 grundlegend restauriert:
Der barocke Thoraschrein konnte dabei nach einem alten Foto wiederhergestellt werden, das dem nach Amerika ausgewanderten Bruno Stern gehörte, dessen Mutter aus Michelbach stammte. Die Synagoge beherbergt heute ein kleines Museum und eine Gedenkstätte. In einer Dauerausstellung werden den Besuchern Aspekte der jüdischen Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts erläutert.
Historische Rarität im Museum
Eine historische Rarität in der Synagoge sind hebräische Druckfragmente religiösen Inhalts aus der Zeit um 1800, die bei den Renovierungsarbeiten in einer sogenannten „Genisa” entdeckt worden waren. Die Juden achten Thorarollen und Bücher, die Gottesnamen enthalten, so hoch, dass sie diese in solchen „Genisot” aufbewahren und so vor fremdem Zugriff schützen. Diese Schriften stellen eines der wenigen Zeugnisse der ausgelöschten jüdischen Kultur in Michelbach dar.
Der jüdische Friedhof
Zur Besonderheit eines jüdischen Friedhofs (hebräisch: bet olmin, „Haus der Ewigkeit“) gehört, dass er als zweite Heimat der Menschen gilt. Um die Ruhe nicht zu stören und um die Gräber kein zweites Mal zu belegen, liegen sie oft außerhalb der Ortschaften. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wuchsen die jüdischen Gemeinden in Michelbach, Wiesenbach und Hengstfeld so stark, dass sie für einen eigenen Friedhof die Genehmigung beantragten. Zuvor musste der beschwerliche Weg nach Schopfloch unternommen werden. 1840 wurde dann etwa einen Kilometer außerhalb Michelbachs der jüdische Friedhof angelegt, auf dem zwischen 1840 und 1900 annähernd 300 Menschen bestattet wurden. Bedingt erst durch die Abwanderung in die größeren Städte und dann durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten, fanden zwischen 1901 und 1938 nur noch 71 Personen hier ihre Ruhestätte. Auf dem Friedhof sind die Männer gehalten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Die Gräber sind nach Osten ausgerichtet, weil dort Jerusalem liegt und dort die Ankunft des Messias erwartet wird. Bis heute werden Steine als Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens auf den Grabsteinen abgelegt.
Der Förderverein
Der „Förderverein Synagoge Michelbach e. V.“ kümmert sich heute um die Arbeit der Gedenkstätte. Dazu gehören mindestens drei Veranstaltungen pro Jahr mit Vorträgen, Konzerten und einem ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9. November 1938.
Bernhard Ritter ist Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hengstfeld und Erster Vorsitzender des „Fördervereins Synagoge Michelbach e. V.“.
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