Historische Erinnerungsstätte

Theodor-Heuss-Haus



Kontaktdaten:

Feuerbacher Weg 46
70192 Stuttgart

Telefon: 0711 9559850
Telefax: 0711 95598530
E-Mail: info@stiftung-heuss-haus.de
WWW: www.stiftung-heuss-haus.de

Träger der Einrichtung
Kontakt-/Verwaltungsadresse
Stiftung Bundespräsident-
Theodor-Heuss-Haus
Dr. Thomas Hertfelder
Im Himmelsberg 16
70192 Stuttgart
Tel. 0711 9559850
Fax 0711 95598530
info@stiftung-heuss-haus.de

Öffnungszeiten
Geöffnet von Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr;
Eintritt bis 18 Jahre frei, ab 18 Jahre 2 Euro.
Der Besuch der rekonstruierten Wohnräume ist kostenfrei.

Führungen
Pro Gruppe (max. 20 Personen),
Dauer 60 Minuten: 30 Euro;
Dauer 90 Minuten: 40 Euro.
Zzgl. Eintritt.





Beschreibung

Theodor-Heuss-Haus

Eine ständige Ausstellung im früheren Stuttgarter Wohnhaus des ersten Bundespräsidenten dokumentiert das vielfältige politische und kulturelle Wirken von Theodor Heuss zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, wie Demokratie in Deutschland wirksam werden konnte und welche Handlungsoptionen ein Individuum gegenüber den politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen des 20. Jahrhunderts hatte. Die originalgetreu möblierten Wohnräume der Gedenkstätte laden zu einer Zeitreise in die späten fünfziger Jahre ein und geben einen Einblick in die bürgerliche Wohnkultur dieser Zeit. Sonderausstellungen und vielfältige Veranstaltungen ergänzen das Angebot.

Hintergründe

Gudrun Kruip

Die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus wurde durch ein Bundesgesetz am 27. Mai 1994 als überparteiliche Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Stuttgart gegründet. Sie ist eine von fünf Einrichtungen, mit denen die Bundesrepublik Deutschland wichtigen Politikern der deutschen Geschichte gedenkt. Neben Theodor Heuss in Stuttgart sind dies Konrad Adenauer in Rhöndorf, Otto von Bismarck in Friedrichsruh, Willy Brandt in Berlin und Friedrich Ebert in Heidelberg.
Die Stiftung widmet sich der Aufgabe, das Leben und Werk des ersten Bundespräsidenten stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Die Bedeutung von Theodor Heuss (1884–1963) erschöpft sich dabei keineswegs darin, erstes Staatsoberhaupt der jungen Bundesrepublik gewesen zu sein. Vielmehr nahm er seit Anfang des 20. Jahrhunderts aktiv am politischen Leben teil – etwa als Wahlhelfer seines Idols Friedrich Naumann, als Mitglied des Reichstags in der Weimarer Republik oder als engagierter Journalist. Als Sozialliberaler registrierte er aufmerksam die politischen, gesellschaftlichen und sozialen Umbrüche seiner Zeit. In einem Jahrhundert, das zwei Weltkriege und allein in Westdeutschland vier verschiedene politische Systeme aufweist, steht Theodor Heuss für demokratische Tradition, Völkerverständigung und humane Bildung, aus der zugleich Verantwortungsbewusstsein für das politische und gesellschaftliche Gemeinwesen erwächst. Mittels der Erinnerung an die Geschichte, zeitgeschichtlicher Forschung und politischer Bildung will die Stiftung das Andenken an dieses vielfältige Wirken von Theodor Heuss stärken und bewahren.

Geschichte des Theodor-Heuss-Hauses

Nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit als Bundespräsident zog sich Theodor Heuss im September 1959 nach Stuttgart zurück, wo er sich auf dem Killesberg ein Einfamilienhaus hatte bauen lassen. Dort wohnte er bis 1963, empfing politischen und privaten Besuch und verfasste Teile seiner Memoiren. Am 12. Dezember 1963 verstarb der Altbundespräsident in seinem Domizil. Die Entscheidung, den Ruhestand in Stuttgart zu verbringen, fällte Theodor Heuss bereits Anfang der 1950er-Jahre gemeinsam mit seiner Frau Elly Heuss- Knapp, die auch das Grundstück für den voraussichtlich letzten Wohnort aussuchte. Aufgrund ihres frühen Todes 1952 war ihr ein gemeinsamer Lebensabend mit ihrem Mann jedoch nicht mehr vergönnt. Das Gebäude wurde nach dem Tod von Theodor Heuss einige Jahre vermietet und stand zuletzt leer. 1995 erwarb es die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und ließ es nach Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Behnisch & Partner sanieren, umbauen und um einen Anbau erweitern. Der authentische Eindruck des Originalhauses blieb dabei weitgehend erhalten. Am 8. März 2002 wurde die Gedenkstätte von Bundespräsident Johannes Rau und Staatsminister Julian Nida-Rümelin eröffnet.
Mit dem Wohn-, Arbeits- und Esszimmer hat die Stiftung drei Räume des Hauses mit Möbeln und Kunstwerken aus dem Besitz von Theodor Heuss originalgetreu rekonstruiert. Sie geben einen Eindruck vom privaten Lebensstil von Heuss ebenso wie vom bürgerlichen Wohnen um 1960. Das Sterbezimmer im Erdgeschoss wurde dagegen als Erinnerungsraum eingerichtet, der die Besucher zur Auseinandersetzung mit Theodor Heuss und mit der Frage, was von seinem Werk heute noch bleibt, auffordert. Im Gartengeschoss erwartet die Besucher eine ständige Ausstellung, die das Leben und Werk des Journalisten, Schriftstellers, Dozenten und Staatsmannes Heuss vor Augen führt und in vier Epochen deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts einbettet. Anhand von Originalobjekten, Filmen, Tondokumenten und interaktiven Elementen bietet die Ausstellung den Besuchern somit die Möglichkeit, die großen Zäsuren der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts im Spiegel seines Lebenslaufs zu verfolgen. Schülerinnen und Schüler können sich einzelne Epochen anhand der konkreten Biografie von Theodor Heuss erarbeiten oder sich allgemein über die Chancen und Grenzen demokratischen Handelns ein Urteil bilden.
Schon die Gestaltung der Ausstellung durch Marcel Keller versinnbildlicht die verschiedenen Stationen und Handlungsspielräume von Theodor Heuss. Geschwungene Wände und Wege sowie eine offene Besucherführung deuten auf die Vielfalt der beruflichen und geistigen Möglichkeiten des jungen Heuss vor 1933 hin; dunkle, labyrinthartige Einbauten stehen für seine Nischenexistenz im Nationalsozialismus; ein Baugerüst verweist auf seine Leistungen für den politischen Wiederaufbau nach 1945. Auch die virtuelle Welt wird eingebunden: An einem interaktiven Terminal kann der Besucher in die Rolle eines Journalisten schlüpfen, der im Auftrag seines „Chefs“ auf Spurensuche geht und am Ende mit einem Artikel über Heuss mittels elektronischer Post an seine Heimatadresse belohnt wird. Ergänzt wird die ständige Ausstellung durch vertiefende Wechselausstellungen zu Persönlichkeiten, Ereignissen oder Einzelaspekten des 20. Jahrhunderts. Die Spanne der Themen reicht dabei von Kunstausstellungen über Präsentationen zum Bundesverfassungsgericht oder der Fußballweltmeisterschaft 1954 bis zur Sonderschau über Elly Heuss-Knapp.

Forschungseinrichtungen

Zum Theodor-Heuss-Haus gehören Forschungseinrichtungen, in denen Wissenschaftler und alle Interessierten das in der Ausstellung Gesehene vertiefen oder zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts arbeiten können. So wird im Heuss-Archiv der Nachlass von Theodor Heuss in mikroverfilmter Form aufbewahrt, außerdem Zeitschriften aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in denen Heuss entweder selbst publiziert hat oder die besonders deutlich die jeweiligen Zeitumstände widerspiegeln. Auch zahlreiche Ergänzungsüberlieferungen liegen vor. Das Archiv sammelt neben dem schriftlichen Nachlass auch Bild- und Tonmaterial. Zudem steht eine Forschungsbibliothek zur Verfügung, in der Bücher von und über Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp ebenso zu finden sind wie Literatur zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und zu Themen, die das vielseitige Leben und Wirken von Theodor Heuss berühren. Die Bibliothek setzt dabei thematische Schwerpunkte in den Bereichen Bildungsbürgertum und Intellektuelle, politische Strömungen und Parteien, deutsche Verfassungsentwicklung sowie im Bereich der Literatur von und über die Bundespräsidenten. Etwa 2 500 Bände historisch-politischen Inhalts aus der Privatbibliothek von Theodor Heuss können ebenfalls eingesehen werden.

Veranstaltungen

Mit dem Theodor-Heuss-Kolloquium zu Themen der Zeitgeschichte, Seminaren zur historischen Bildung und politisch-kulturellen Veranstaltungen will die Stiftung einen Beitrag leisten zum Verständnis der jüngeren deutschen Geschichte, der Entstehung der Bundesrepublik Deutschland und zur internationalen Verständigung. Das Kolloquium, das alle zwei Jahre veranstaltet wird, widmet sich aktuellen Forschungsfragen zur deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, die in einem interdisziplinären Kreis von Wissenschaftlern diskutiert werden. An eine breite Öffentlichkeit hingegen wendet sich die Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung. Sie findet jährlich aus Anlass des Todestages von Theodor Heuss und in Kooperation mit der Universität Stuttgart statt. Zum Andenken an den ersten Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland referiert jedes Jahr eine herausragende Persönlichkeit der Wissenschaft oder des öffentlichen Lebens über ein Thema der Zeitgeschichte. Bei den regelmäßigen Himmelsberg-Vorträgen berichten zumeist jüngere Wissenschaftler über die Ergebnisse ihrer Forschungen und stellen sich anschließend der Diskussion. Darüber hinaus veranstaltet die Stiftung Seminare und Workshops, Zeitzeugengespräche, Podiumsdiskussionen, Lesungen und Filmabende zur Zeitgeschichte, zu denen alle Interessierten ebenso wie zu den Himmelsberg-Vorträgen geladen sind.

Publikationsreihen

Eigene Publikationsreihen und die Anregung und Unterstützung von Forschungsarbeiten dienen ebenfalls dazu, den früheren Bundespräsidenten wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mit der „Stuttgarter Ausgabe“ bearbeitet die Stiftung ein umfangreiches Editionsprojekt, in dem die Briefe, Reden, Schriften und Gespräche von Theodor Heuss erscheinen. Die „Wissenschaftliche Reihe“ nimmt umfangreichere wissenschaftliche Monografien und Editionen sowie die Beiträge zum Theodor-Heuss-Kolloquium auf, während in der „Kleinen Reihe“ Arbeiten geringeren Umfangs, unter anderem die Texte der Theodor-Heuss-Gedächtnis-Vorlesung, veröffentlicht werden. Einzelne Publikationen gibt die Stiftung auch außerhalb ihrer Reihen heraus, zum Beispiel Compact Discs, auf denen Reden von Heuss oder seinen Zeitgenossen zu hören sind.

Dr. Gudrun Kruip, geboren 1963, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart.


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Weitere Informationen

Besuchsmöglichkeiten in der Nähe

Weißenhofsiedlung;
Bismarckturm.

Publikationen

  • Theodor Heuss. Publizist – Politiker – Präsident. Begleitband zur ständigen Ausstellung im Theodor-Heuss-Haus. Im Auftrag der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus hrsg. v. Thomas Hertfelder und Christiane Ketterle mit einem Vorwort von Lord Ralf Dahrendorf, Stuttgart 2003, 218 Seiten, (ISBN 9783980740449)
  • Thomas Hertfelder: Machen Männer noch Geschichte? Das Theodor-Heuss-Haus im Kontext der deutschen Gedenkstättenlandschaft (= Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus. Kleine Reihe 2), Stuttgart 1998, 35 Seiten, (ISBN 9783980597944)




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