Das KZ Natzweiler und seine Außenlager – Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer


Das KZ Natzweiler und seine Außenlager – Fortbildung zum Leitfaden für den Besuch von Gedenkstätten in Frankreich und Baden-Württemberg

Der Besuch authentischer historischer Orte ist für viele Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Fächer heutzutage ein fester Programmpunkt in ihrem Unterricht.

Das ehemalige Konzentrationslager Natzweiler-Struthof, seit 1941 von den Nationalsozialisten im Elsass errichtet, wurde nach Kriegsende zu einer europäischen Gedenkstätte umgestaltet. Im heutigen Baden-Württemberg sind zudem elf Gedenkstätten an Orten ehemaliger Natzweiler-Außenlager entstanden. Sie bieten lokale Anknüpfungspunkte für die Thematisierung nationalsozialistischen Unrechts und der Vermittlung des umfassenden NS-Lagersystems.

Die Möglichkeit zu einem Besuch am Centre européen du résistant déporté in Natzweiler wird heute von vielen Schulen in Baden-Württemberg genutzt. Leider wird von der Gedenkstätte keine deutschsprachige pädagogische Begleitung angeboten. Mit der aktualisierten Neuauflage der Handreichung „Das KZ Natzweiler und seine Außenlager“ und zwei Lehrerfortbildungen, die in Zusammenarbeit mit dem Autorenteam der Handreichung entstanden sind, unterstützt die LpB Lehrerinnen und Lehrer beim Besuch der Gedenkstätte.



Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Mosbach-Neckarelz. Foto: LpB, Thomas Frisch

Zu den Fortbildungen an der Gedenkstätte Mosbach-Neckarelz und dem Museum im Ritterhaus Offenburg fanden sich insgesamt 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Schuldienst und der politischen Bildungsarbeit zusammen. Der überwiegende Teil von ihnen hatte bereits ein- oder mehrmals mit Schülergruppen die Gedenkstätte Natzweiler-Struhof besucht. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und Begrüßung durch die LpB führten die Referenten in die Handreichung ein.

Vielseitige Verwendungsmöglichkeiten der Handreichung

Neben einem Guide mit insgesamt zwanzig Stationen, an denen wesentliche Aspekte des Lagers und seiner Gefangenen thematisiert werden können, bietet die Handreichung eine CD mit umfänglicher Materialiensammlung, die zusätzliche Dokumente, Arbeitsaufträge, Bilder und  Lieder umfasst. Das auf der CD enthaltende Lied „Die Moorsoldaten“, welches von den Insassen des Lagers Börgermoor im Emsland geschrieben wurde und sich unter den KZ-Häftlingen als eine Art Hymne verbreitete, kann in seinen unterschiedlichen Versionen für den Einstieg in die Thematik, zum Beispiel im Bus auf der Fahrt zum und vom Lagergelände, verwendet werden.

Für den Besuch auf dem Lagergelände empfehlen die Referenten sogenannte Black-Boxes. Dabei handelt es sich um leicht herzustellende Boxen aus leeren Kartons von Kopierfolien, die schwarz lackiert und individuell gestaltet werden können. Sie können für die Schülerinnen und Schüler (SuS) variabel mit Materialien und Arbeitsaufträgen gefüllt werden.  Dies kann in der Vorbereitung entweder durch die diese selbst erfolgen: so lassen sich sehr gut Bezüge zur lokalen Geschichte herstellen und das Interesse geweckt werden. Oder die Lehrerinnen und Lehrer füllen die Boxen: so ist eine gute Anpassung an den individuellen Kenntnisstand und die Auffassungsgabe der SuS möglich, wodurch Über- oder Unterforderung vermieden werden kann. Zudem sind sie auch ein praktisches Tool für den Besuch auf dem Lagergelände.

Dadurch, dass die Referentinnen und Referenten der Fortbildungen selbst aus dem aktiven Schuldienst stammen und mit ihren Klassen Exkursionen nach Struthof durchführen, konnten viele praktische Fragen zur Organisation aber auch dem Verhalten auf dem Gelände beantwortet werden. Für die Vorbereitung des Besuchs und Orientierung auf dem Gelände bietet sich insbesondere der virtuelle Rundgang auf der Website von Struthof an.

Im Nachmittagsprogramm: Führungen zur Geschichte

Eine Besonderheit der Lehrerfortbildung in Mosbach-Neckarelz war der historische Ort, an dem sie stattfand. Auf dem Gelände der heutigen Clemens-Brentano-Schule war von März 1944 bis Kriegsende ein Zwangsarbeitslager untergebracht, welches dem KZ-Komplex Natzweiler-Struthof zugeordnet war. Etwa 500 Häftlinge mussten die zwei Kilometer entfernte Gipsgrube Obrigheim/Neckar für die Produktion von Daimler-Benz-Flugmotoren ausbauen. Auf ihrem Fußweg vom Lager zum Stollen durchquerten sie dabei regelmäßig die Ortschaft und kamen dadurch zwangsläufig mit der Bevölkerung in Kontakt.
Heute erinnert eine Gedenkstätte mit einem sehr aktiven Verein an die Geschichte des Außenlagers und seiner Häftlinge. Bei einer Führung am Nachmittag konnten die Teilnehmer Antworten auf viele inhaltliche Fragen zum KZ-Komplex Natzweiler bekommen und Anregungen für den lokalen Zugang zur Thematik sammeln.



Dorothee Roos führt durch die Ausstellung in Offenburg. Foto: LpB, Thomas Frisch

In Offenburg fand die Fortbildung im Museum im Ritterhaus statt. Dorothee Roos von der Gedenkstätte Neckarelz führte die Teilnehmer durch die Wanderausstellung „Freiheit – so nah, so fern“ zum doppelten Ende des Konzentrationslagers Natzweiler, die vom 12. April bis zum 26. Juli in dem Offenburger Museum zu sehen ist. Museumsleiter Dr. Wolfgang Gall ergänzte ihren Vortrag um interessante Anknüpfungspunkte zur Offenburger Geschichte. So wurde auch hier deutlich, dass sich für den Besuch der Gedenkstätte Natzweiler vielfältige Anknüpfungspunkte in der regionalen Geschichte finden lassen. Engagierte Lehrerinnen und Lehrer können dabei sehr häufig auf die Unterstützung der vielen ehrenamtlich Tätigen in der Forschungs- und Erinnerungsarbeit, aber auch die Expertise der Museen und Stadtarchive, verlassen.


Zusammenfassung

Der Besuch einer Gedenkstätte ist für Lehrerinnen und Lehrer, wie auch für Schülerinnen und Schüler, häufig eine willkommene Abwechslung vom Schulalltag. Er bietet für den Unterricht besondere Möglichkeiten der Geschichtsvermittlung. Zugleich verlangt er aber nach eine guten Vor- und Nachbereitung sowie pädagogische Begleitung. Mit der Handreichung für den Besuch der Gedenkstätte Natzweiler-Struthof bietet die LpB eine reichhaltige Materialiensammlung. Sie schließt damit eine Lücke, die bei den Angeboten in Natzweiler besteht. Viele der Teilnehmer konnten durch die Fortbildung eine bessere Orientierung in der Materialienvielfalt gewinnen, praktische Hinweise für den Besuch sammeln und interessante Anregungen zur Verknüpfung mit der regionalen oder lokalen Geschichte bekommen. Die große Nachfrage, wie auch das positive Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bestärkten auch die Referenten und Referentinnen darin, weitere Angebote dieser Art zu schaffen.


Weiterführende Links


Nachtrag: Progamme zum Download als PDF:

Die Fortbildung in Mosbach-Neckarelz umfasst zugleich eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Neckarelz gegenüber der Clemens-Brentano-Grundschule, die 1944/45 als Konzentrationslager diente und als eines der vielen Natzweiler-Außenlager zugleich das Zentrum der sechs „Neckarlager“ bildete.

Zum Fortbildungsprogramm in Offenburg in Kooperation mit dem Stadtarchiv Offenburg gehört eine Führung durch die Ausstellung „Freiheit – so nah, so fern“. Diese deutsch-französische Ausstellung, die bis zum 11. Oktober 2015 im Offenburger Museum im Ritterhaus zu sehen ist, thematisiert das doppelte Ende des Konzentrationslagers Natzweiler.  Sie wurde von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gedenkstätten in Frankreich und Baden-Württemberg gemeinsam erarbeitet und ist bis zum 1. September 2015 auch am Centre européen du résistant  déporté zu sehen.

Fortbildung in Mosbach-Neckarelz (16. April 2015)

Fortbildung in Offenburg (23. April 2015)




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