Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

Ehemalige Synagoge Kippenheim:

Innenraum der ehemaligen Synagoge Kippenheim Bild: Screenshot aus dem Film

Filmpremiere: „Geschichte ganz nah“ –
Eine Erkundungsreise zu den Gedenkstätten am Südlichen Oberrhein

Wie kann und wie soll unsere Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus heute aussehen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Film „Geschichte ganz nah - Eine Reise zu den Gedenkstätten in meiner Heimat“ der 29-jährigen Studentin Daniela Schaffart aus Gengenbach.

Ihr Film entstand im Rahmen einer Projektarbeit für den Master-Studiengang „Medien und Bildung“ an der Hochschule Offenburg. In lebendigen Bildern und anhand anschaulicher Einblicke in die Forschungs- und Vermittlungsarbeit der Ehrenamtlichen vor Ort dokumentiert der Film die Erkundungsreise der Studentin an sechs Gedenkstätten am Oberrhein.

Gefördert wurde das Projekt von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg.

Die Projektarbeit führte auch Daniela Schaffart selbst an die Geschichte vor Ort heran. Über die NS-Diktatur habe sie natürlich in der Schule viel gelernt, doch diese Ereignisse schienen weit weg stattgefunden zu haben. Bis sie auf den „Weg des Erinnerns“ in der Gemeinde Haslach stößt. Dieser Weg zeichnet auf große Tafeln den Weg nach, den die Häftlinge des KZ-Außenlagers von September 1944 bis April 1945 täglich zu den Haslacher Bergwerkstollen, dem Einsatzort ihrer Zwangsarbeit, gehen mussten – und plötzlich ist die Vergangenheit ganz nah.

Die Gedenkstätte Vulkan in Haslach ist der Ausgangspunkt für Daniela Schaffarts filmische Erkundungen: die Gedenkfeier mit Überlebenden, die Gestaltung der Erinnerungskultur vor Ort, die Reaktionen von Schülern auf die Berichte des Zeitzeugen Siegfried Leissle, der vom Leid der Häftlinge aus eigener Anschauung erzählt. Weitere Stationen sind die Offenburger Erinnerungsstätte im Salmen, die Gedenk-, Lern- und Begegnungsstätte Ehemalige Synagoge Kippenheim, die Ehemalige Synagoge Sulzburg, das Jüdische Museum Emmendingen und das Blaue Haus in Breisach im Rhein, das früher das jüdische Gemeindehaus war.

Der Film zeigt, dass in der Erinnerungsstätte im Salmen in Offenburg der Stolz auf die republikanische Tradition mit dem Gedenken an die verschwundene jüdische Gemeinde verbunden wird. Die Offenburger Versammlung von 1947 gilt als Prolog zur Badischen Revolution des Folgejahres. Von 1875 bis 1938 befand sich im Salmen, in dem die Forderungen des Volkes formuliert wurden, die jüdische Synagoge. Das Andenken an diese ehemaligen Mitbürger wird hier hochgehalten, man sieht etwa eine lange Wand mit Bildern der getöteten oder vertriebenen Juden.

Die Gedenk-, Lern- und Begegnungsstätte  Ehemalige Synagoge  Kippenheim  hat das Glück, dass das Gebäude selbst nicht den Flammen zum Opfer fiel. Man erfährt, dass sie vermutlich zu nah an anderen Gebäuden stand. Sie ist inzwischen wieder hergerichtet worden und beherbergt heute eine Ausstellung über früheres jüdisches Leben. Der Film zeigt er auch Ausstellungen und Veranstaltungen, die im Gebäude stattfinden und den ehemaligen jüdischen Friedhof.

Die Ehemalige Synagoge Sulzburg wurde wieder komplett in den Vorkriegszustand restauriert, so dass sehr schöne Bilder der Architektur zu sehen sind. Neben ihrer Funktion als Erinnerungsort dient sie auch als Stätte von Veranstaltungen und kulturellen Ausstellungen, man sieht etwa Aufnahmen von einem Konzert, bei dem jüdische Komponisten gespielt wurden.

Zum Abschluss zeigt der Film Impressionen des Tanztheaters einer New Yorker Dance Company, die rund um das Blaue Haus in Breisach inszeniert wurden – choreografiert von der Enkelin eines Juden, die seine Heimat Breisach in der NS-Zeit verlassen musste. Das ehemalige jüdische Gemeindehaus stand früher in der Judengasse stand und ist heute eine Erinnerungs- und Begegnungsstätte.

Für ihr Projekt hat die Regisseurin, die von ihren zwei Kommilitoninnen Eva-Maria Kühling und Paula Glaser bei der Arbeit unterstützt wurde, auch die Ehrenamtlichen der unterschiedlichen Erinnerungsorte an einen Tisch zusammenbekommen. Positiv überrascht von den Effekten der Zusammenarbeit, gedeiht dort nun der Gedanke einer weitgehenderen Kooperation.

So wurde die Homepage www.gedenkstaetten-suedlicher-oberrhein.de gestartet, auf denen sie sich nun gemeinsam präsentieren und auch aktuelle Veranstaltungen ankündigen. Nächste Schritte wollen sorgsam geprüft werden, damit die Kooperation den Ehrenamtlichen wie auch den Besuchern zur Hilfe gereicht.


Film über den Gedenkstättenverbund feiert Premiere
“Geschichte ganz nah — Eine Reise zu den Gedenkstätten in meiner Heimat”
(von Daniela Schaffart)


Zusätzlich zur Kurzversion des Films, die man hier anschauen kann, gibt es eine weitere 30 Minuten lange Dokumentarversion. Bei Interesse kann man sich diese direkt bei der Filmemacherin unter daniela.schaffart@remove-this.posteo.de bestellen.


 

 

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