Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

Neckarelz: Rückblick Filmvorführung „Blut muss fließen...“

Ausschnitt aus dem Flyer: Thomas Kuban im Film „Blut muss fließen – undercover unter Nazis“.

Filmvorführung in Neckarelz: „Blut muss fließen – undercover unter Nazis“
am 19. Februar 2014

Matilda Manus, B.A. der Politik- und Gesellschaftswissenschaften, die gemeinsam mit einem Kommilitonen die Vorstellung organisiert hatte, führte zusammen mit dem Regisseur Peter Ohlendorf in den Abend ein.

Im fast voll besetzten Kino hatte sich ein buntgemischtes Publikum eingefunden: junge und ältere Zuschauer, interessierte Bürger und Vertreter der lokalen Politik waren gekommen. Die Veranstaltung der KZ-Gedenkstätte Neckarelz wurde von der Landeszentrale für politische Bildung, dem Netzwerk »Schule ohne Rassismus«, dem ver.di-Bildungszentrum Mosbach sowie den Kreisverbänden der SPD und der Grünen Neckar-Odenwald und Main-Tauber unterstützt.

10 Jahre lang filmte „Thomas Kuban“, dessen Name zu seinem Schutz ein Pseudonym ist, versteckt an Orten in ganz Deutschland und darüber hinaus bei Neonazi-Konzerten. Da erheben Konzertbesucher die Hand zum Hitlergruß, der Sänger brüllt Hetzparolen und daneben werden T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck verkauft. Thomas Kuban wollte Antworten auf die Frage finden, wie es möglich ist, dass diese rechtsextremen Rockkonzerte ungehindert stattfinden können. Vergeblich hatten er und Regisseur Peter Ohlendorf in dieser Zeit versucht, Aufmerksamkeit und Unterstützung für die Realisierung dieses Filmprojekts zu bekommen.

Im Anschluss an den Film stellte sich Peter Ohlendorf den Fragen des Publikums. Gekleidet in das gelbe Sakko, das Thomas Kuban im Film als Teil seiner Verkleidung trägt, um unerkannt zu bleiben, berichtete Ohlendorf dem interessierten Publikum von der bisher sehr positiven Rezeption des Filmes, und den dennoch vorhandenen Finanzproblemen.

Zwar erhält das Projekt inzwischen eine breite mediale Aufmerksamkeit, doch fehlen immer noch finanzielle Mittel um die Schulden abzubauen, die während der Produktion entstanden. Ein besonderes Anliegen war es Ohlendorf, zu betonen, dass die rechtsextreme Szene nicht nur in Sachsen existiert, sondern auch hierzulande, vor der eigenen Haustür. Immer häufiger ließen sich auch Angehörige des so genannten gutbürgerlichen und akademischen Milieus in dieser Szene finden. Auch die Mitglieder des NSU seien in dieser Szene groß geworden und von ihr unterstützt worden. Diskutiert wurde auch die Rolle von Polizei und politisch Verantwortlichen, die im Film über Straftaten bei den Konzerten hinwegsehen oder diese bagatellisieren. Letztendlich, betonte Ohlendorf, sei vieles im Kampf gegen Rechts eben von einzelnen Personen wie engagierten Polizeichefs abhängig.

Auch viele Zuschauer ergriffen die Gelegenheit, von ihren eigenen Erlebnissen und Erfahrungen mit der rechtsextremen Szene zu berichten.

In Neckarelz und Bad Mergentheim gab es insgesamt 5 Vorstellungstermine, zwei öffentliche und drei Schulvorstellungen, sodass insgesamt 1200 ZuschauerInnen erreicht werden konnten.

Daneben bot der Verein KZ-Gedenkstätte Neckarelz e.V. in seiner „Reihe gegen Rechts“ noch weitere Vorträge und Veranstaltungen an.

  • Am 23. Februar informierten Timo Büchner und Matilda Manus in der Gedenkstätte über »Rechtsrock als Einstiegsdroge – Strategien der rechtssextremen Musikszene«. Der gleiche Vortrag fand einen Tag zuvor in Bad Mergentheim in der Buchhandlung „Moritz und Lux“ statt.
  • Am 9. März schließlich diskutierten der ehemalige Richter am Oberlandesgericht Klaus Beer sowie der Jurist und Journalist Christian Rath pro und contra NPD-Verbot und darüber, wie Staat und Gesellschaft mit rechtsextremen Parteien und Vereinigungen umgehen sollten.

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