Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

DDR-Museum in Pforzheim: Die neu gestaltete Dauerausstellung ist eröffnet

Foto: Florentine Schmidtmann vom DDR-Museum Pforzheim
Foto: Florentine Schmidtmann vom DDR-Museum Pforzheim

Nach längerer Konzeptions- und Umbauphase hat das DDR-Museum Pforzheim am 18. Oktober 2015 seine Türen wieder geöffnet.
Die einzigartige Sammlung eröffnet Einblicke in die DDR-Geschichte –
Führungen, pädagogische Angebote und Zeitzeugenbegegnungen


Die neu gestaltete Ausstellung beleuchtet verschiedene Aspekte des Lebens in der früheren DDR. Übersichtliche Einführungstexte am Beginn jedes Themenbereichs vermitteln in aller Kürze die wesentlichen historischen Informationen. Im Eingangsbereich des Museums erinnern ein Grenzpfosten und ein vergrößertes Bild einer Montagsdemonstration an die Teilung Deutschlands und die friedliche Revolution im Herbst 1989. An einem Zeitstrahl lassen sich wichtige Ereignisse der deutschen Geschichte seit der Reichsgründung 1871 nachvollziehen. Durch die Untergliederung in eine regionale, nationale und globale Ebene werden den Besuchern dabei Zusammenhänge in der geschichtlichen Entwicklung verdeutlicht.


Der Oberstudienrat Jürgen Gorenflo, der als abgeordneter Lehrer am DDR-Museum tätig ist, bei einer Führung durch die Ausstellung. Foto: T. Frisch, LpB

Die Exponate der Ausstellung sind nach thematischen und zeitlichen Aspekten strukturiert. Anhand von Produkten aus der Warenwelt des „real existierenden Sozialismus“, am Beispiel der Halloren-Kugel, des FEWA-Waschmittels oder auch eines Trabants lassen sich Alltag und Wirtschaftsweise thematisieren. Ein ungeöffnetes Päckchen, in dem sich laut Postvermerk ein Dresdner Christstollen befindet, zeugt von den Ost-West-Kontakten dieser Zeit. Ergänzt werden die Exponate jeweils um kurze Informationstexte zum Hintergrund und geschichtlichen Rahmen.


Exponate der Ausstellung zum Thema Wirtschaft / Ost-West-Kontakte.  Foto: T. Frisch, Lpb


Dem Thema Jugend widmet das Museum einen eignen Raum. Hier wird deutlich, dass das Erziehungssystem der DDR angepasste Jugendliche und Staatsbürger heranziehen sollte. FDJ-Hemd, Übungshandgranaten und Schulbücher, in denen die Anzahl von Soldaten berechnet werden soll, die an einer Übung teilnehmen, vermitteln einen lebendigen Eindruck davon, was Kalter Krieg im Alltag bedeutete. Anhand verschiedener Exponate und erläuternder Texte können die Besucher auch nachvollziehen, was man auf sich nehmen musste, wollte man sich dem allgegenwärtigen Anpassungsdruck entziehen. Praktizierter Glaube, das Hören von Rockmusik oder eine als systemkritisch aufgefasste Bemerkung konnten den Lebensweg eines Jugendlichen in Konflikt mit dem System bringen. Wohin das im schlimmsten Fall führen konnte, lässt sich im Keller des Pforzheimer Museums erahnen.

Während die Ausstellung im Erd- und Obergeschoss neu gestaltet wurde, blieb ihre ursprüngliche Konzeption im Keller bewusst erhalten. Anhand des Kontrasts, der sich hier ergibt, lässt sich auch die Entstehungsgeschichte des Museums thematisieren. Neben der Dokumentation von Einzelschicksalen   liegt der Schwerpunkt im Keller auf zwei Räumen: auf dem originalgetreuen Stasi-Verhörzimmer und einer nachgebildeten Gefängniszelle. Besonders in Verbindung mit einer Zeitzeugenführung erschließen sich hier dem Besucher die Unterdrückungs- und Überwachsungsmechanismen der Diktatur.

Pädagogische Angebote und Zugänge

Für den Besuch mit Schulklassen bieten sich im Museum vielfältige Möglichkeiten. Für individuell angepasste Führungen durch die Ausstellung steht mit Jürgen Gorenflo an zwei Tagen in der Woche ein erfahrener Lehrer zur Verfügung. Zudem gibt es im Unterstützerkreis des Museums viele inhaltlich wie pädagogisch versierte Personen, so dass auch größere Gruppen betreut werden können. Wer mit Zeitzeugen arbeiten möchte, sollte dies vor dem Besuch anmelden.

Als Ergänzung zur Ausstellung können auch Tablets mit weiteren Quellen, Audiofiles und Videos ausgeliehen werden. Mit konkreten Arbeitsaufträgen ausgestattet, können Schülerinnen und Schüler sich so in Kleingruppen selbstständig Aspekte der Geschichte erschließen und gegebenenfalls ihren Mitschülern präsentieren. Ein Touchscreen im Ausstellungsbereich bietet Interessierten ein Wissensquiz zur deutsch-deutschen-Geschichte.


Ausstellungsbereich zum Thema Jugend. Foto: T. Frisch, LpB


Das Museum verfügt zudem über viele Sammlungsstücke, darunter Uniformen, Schulbücher aus West und Ost, Zeitschriften, Faksimile von wichtigen Dokumenten etc., die in der Ausstellung keinen Platz gefunden haben. Auf Nachfrage können diese in die Unterrichtsgestaltung einbezogen werden. Ein Austausch mit den Mitarbeitern ist hier zwingend notwendig.

Lehrerfortbildung zur DDR Geschichte und Besuch im Museum

Um die Arbeit des Museums nachhaltig zu unterstützen und das anregende Angebot bekannter zu machen, hat die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit den Engagierten des Museums und der Kuratorin der Ausstellung, Florentine Schmidtmann, bereits kurz nach der Eröffnung der neuen Dauerausstellung eine Lehrerfortbildung angeboten. 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen das Angebot am 27. Oktober 2015 wahr.

Nach einer Einführung in die neue Ausstellungskonzeption berichtete der Zeitzeuge Helmut Meißner von seiner Sozialisation und dem Leben in der DDR und seinem gescheiterten Fluchtversuch. Über den Häftlingsfreikauf kam er nach Pforzheim und unterstützte dort schon früh Klaus Knabe beim Aufbau seiner Sammlung, aus der schließlich das DDR Museum hervorging. Die Teilnehmer der Fortbidung wurden zudem mit den didaktischen Zugängen der Ausstellung und mit weiterführenden Angeboten vertraut gemacht.

Geschichte des Museums

Die Sammlung des Museums geht auf eine Stiftung des 2012 verstorbenen Klaus Knabe zurück. Knabe war mit seiner Frau im Jahr 1961 kurz vor dem Mauerbau nach West-Berlin geflohen. Sie hielten über die Jahre den Kontakt in die DDR aufrecht. So entstand eine umfängliche Sammlung von Gegenständen, Dokumenten und Zeugnissen, die Einblicke in den Alltag in der Diktatur ermöglichen. Nach dem Mauerfall kamen weitere Exponate hinzu. Im September 1998 wurde schließlich durch die Unterstützung der Stadt Pforzheim  im ehemaligen Kindergarten der französischen Streitkräfte das DDR-Museum eröffnet.

Getragen wird das Museum von der gemeinnützigen Stiftung "Lernort Demokratie - Das DDR-Museum Pforzheim" mit Unterstützung des Pforzheimer Vereins "Gegen das Vergessen e.V. Die Neukonzeption der Ausstellung wurde von vielen lokalen Förderern und mit der Unterstützung von Bund (BKM) und Land sowie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur möglich gemacht. Das Kultusministerium Baden-Württemberg unterstützt das Museum mit einer Lehrerabordnung von acht Wochenstunden für die Betreuung von Schulklassen.

Darüber hinaus ist das Museum aber in großen Teilen auf die Mitarbeit ehrenamtlicher Kräfte und die Spendenbereitschaft der Vereinsmitglieder und Besucher angewiesen.

Weitere Informationen:

Programm: 18. Oktober 2015: Eröffnung der neuen Dauerausstellung im DDR-Museum Pforzheim

LpB- Portal DDR im Unterricht
Das Portal bietet Hilfestellungen und nützliche Hinweise, wie das Lernfeld DDR im Schulunterricht sinnvoll vermittelt werden kann. Es liefert Hintergründe zum Thema DDR-Wissen, stellt Materialien für den Unterricht zur Verfügung, verweist auf Literatur und Medien und informiert über weiterführende Links.
www.ddr-im-unterricht.de

DDR Museum in Pforzheim: DDR Ampel Foto: T. Frisch
www.pforzheim-ddr-museum.de/

  • Kontakt:
    DDR-Museum Pforzheim, Hagenschießstr. 9,
    75175 Pforzheim
    Telefon: 07231-4243340
    info@remove-this.pforzheim-ddr-museum.de
  • Öffnungszeiten:
    Sonntags von 13 bis 17 Uhr
    Beginn der Führung um 14 Uhr
    Führungen außerhalb der Öffnungszeiten für Schulklassen und Gruppen nach Vereinbarung