Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager

Rückblick auf die Fachtagung

Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg, Ulm. Foto: DZOK Ulm
Der Eingangsbereich des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg, Ulm e.V., KZ-Gedenkstätte (DZOK) im Fort Oberer Kuhberg: Am Ort gebrochener Menschenwürde werden die Besucher/-innen mit dem fundamentalen Grundsatz des Grundgesetzes empfangen. Foto: DZOK

Bestandsaufnahme, Perspektiven und Vernetzung

Eine Kooperationsveranstaltung der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin, der Bundeszentrale für politische Bildung, des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg (DZOK) in Ulm, der im Aufbau begriffenen Einrichtung, das vom Lernort Zivilcourage & Widerstand e. V. (LZW) getragene Projekt Lernort Kislau sowie der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg.

  • Termin: Montag, 24. bis Mittwoch, 26. September 2018
  • Ort: Bad Urach, Haus auf der Alb

Die frühen Konzentrationslager waren das zentrale Terrorinstrument, mit dem die Nationalsozialisten die Demokratie aushebelten, politische Gegner ausschalteten und ihre Macht sicherten.

Die heutigen Gedenkstätten an Orten früher Lager sind einzigartige historische Orte, an denen sich der Übergang von der ersten deutschen Demokratie zur NS-Diktatur aufzeigen lässt. 

Erstmals kamen Mitarbeiter/-innen dieser Gedenkstätten aus dem gesamten Bundesgebiet zu einem Austausch über den Forschungsstand, zur Vermittlungsarbeit und zu den denkmalpflegerischen Herausforderungen zusammen.

Unter den Teilnehmenden der dreitägigen Fachtagung, die Gelegenheit zur breiten Vernetzung bot, waren auch Lehrkräfte sowie Multiplikator/-innen der Bildungsarbeit. 

Programm (Download als PDF)


Rückblick

Auftakt und Besuch:

Dem Auftakt der Fachtagung im LpB-Tagungszentrum in Bad Urach ging die Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers im Fort Oberer Kuhberg in Ulm voraus.

Die wissenschaftliche Leiterin Dr. Nicola Wenge erläuterte die Geschichte des frühen Lagers im Land Württemberg. Zugleich verdeutlichte die Historikerin bei ihrer Führung die Chancen und Herausforderungen eines Gedenk- und Lernorts an einem solchen Ort und gab Einblick in die Arbeit der 1985 gegründeten Gedenkstätte, dem Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK).

Foto: LpB/Thomas Stein
Dr. Nicola Wenge führt die Teilnehmenden über das Gelände des Forts Oberer Kuhberg. Foto: LpB/Thomas Stein

Vorstellung des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg Ulm und des Projekts Lernort Kislau

Das Fort Oberer Kuhberg wurde um 1850 erbaut und war zunächst Teil der Bundesfestung Ulm. Im Zuge der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden 1933 reichsweit Lager zur Ausschaltung der politischen Gegner errichtet. In Württemberg diente der Obere Kuhberg von November 1933 bis Juli 1935 als Landes-KZ zur Inhaftierung der zahlreichen „Schutzhäftlinge“, nachdem das KZ Heuberg  (März 1933 bis November 1933) geschlossen worden war.

Nach dem Kriegsende bestimmte auch in Ulm das Vergessen und Verdrängen den Umgang mit dem einstigen Lager. In seinem Hauptgebäude wurde sogar einige Jahre lang eine Gaststätte betrieben. Es dauerte Jahrzehnte, bis ehemalige Häftlinge der Lagergemeinschaft und Aktive eines Vereins 1985 die Gründung der Gedenkstätte am Oberen Kuhberg erreichen konnten.

Die Besichtigung umfasste den Besuch der Ausstellung sowie einen Rundgang durch das Fort mit  seinen Sonderhaftzellen und den unterirdischen Verliesen. Dabei wurden bereits einige Punkte angesprochen, die im Verlauf der Fachtagung noch mehrmals aufgegriffen werden sollten, etwa zu Denkmalpflege, Forschung, Personal(-kosten) und Vermittlungsarbeit. Den Abschluss des Besuchs bildete der Vortrag von Dr. Andrea Hoffend und Luisa Lehnen über das Projekt Lernort Kislau, eine im Aufbau befindliche Lern- und Gedenkstätte.  



Dr. Andrea Hoffend und Luisa Lehnen stellen das Projekt Lernort Kislau im Innenraum der Gedenkstätte vor. Foto: LpB/Thomas Stein

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Vorträge:

Der erste Tag der Fachtagung begann mit einem Einführungsvortrag.

Der Historiker Dr. Jörg Osterloh (Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main) eröffnete das Programm der Fachtagung mit seinem Einführungsvortrag zur Rolle der frühen nationalsozialistischen Lager beim Aufbau des Terrorsystems.

Er fasste die neuere geschichtswissenschaftliche Forschung zu diesem Schwerpunkt zusammen. Dabei wurde die Bedeutung der frühen Konzentrationslager für den Gesamtkomplex der NS-Machtübernahme überdeutlich: Die Lager dienten sowohl der Einschüchterung und Abschreckung möglicher Gegner als auch der NS-Propaganda. Die Nationalsozialisten nutzen die Lager gezielt als Instrument zur Errichtung und Entfaltung ihrer Macht.

Dr. Jörg Osterloh ist Mitherausgeber und einer der Autoren des Bands mit dem Titel: „,…der schrankenlosesten Willkür ausgeliefert‘. Häftlinge der frühen Konzentrationslager 1933–1936/37“ (erschienen 2017 in der Wissenschaftlichen Reihe des Fritz Bauer Instituts).

Dr. Jörg Osterloh führt mit seinem Vortrag in die Thematik der Tagung ein. Dabei wird die Rolle der frühen nationalsozialistischen Lager beim Aufbau des Terrorsystems deutlich. Foto: LpB/Thomas Stein

Die frühen nationalsozialistischen Lager.
Ihre Rolle beim Aufbau des Terrorsystems

Dr. Jörg Osterloh, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main

Die Rolle der frühen Konzentrationslager ist nicht nur in der bundesdeutschen Gesellschaft, sondern auch in der Geschichtsforschung lange Zeit ein Randthema gewesen. Dabei nutzten die Nationalsozialisten im Zuge der Machtübernahme die Lager als brutales Machtinstrument gegen die Gegner des Regimes. Warum also die späte Beschäftigung mit dem Thema? Dr. Jörg Osterloh sieht einen Grund in der „Monstrosität der späten Lager“, die den „frühen Terror schlicht überwölbt“ habe. Er machte aber deutlich: „Das ändert nichts daran, dass die frühen Lager für sich genommen schon ein Großverbrechen sind.“ Daher auch die späte, aber wichtige geschichtswissenschaftliche Auseinandersetzung.

Neuere Forschung
Der Vortrag verdeutlichte, dass eine strikte Trennung in „frühe“ und „späte“ Lager oder eine Periodisierung des Lagerwesens schwierig ist. Bei allen Gemeinsamkeiten waren die Träger und Haftstätten an sich sehr verschieden. Teils wurden die Lager in bereits vorhandenen Haftanstalten eröffnet, teils neu gebaut oder wie in Bremen sogar in einem Schiff errichtet. Gleichzeitig geht die Forschung aber von wichtigen Weichenstellungen und Kontinuitäten aus, die dazu beitrugen die Lager zu systematisieren und somit in die Periode der späteren Vernichtungslager zu führen.

Das Jahr 1935  brachte den Ausführungen von Dr. Jörg Osterloh zufolge eine wichtige Weichenstellung: Die Zahl der Lagerhäftlinge war zu diesem Zeitpunkt rückläufig, aber die oberste Ebene des Regimes wollte auf das KZ-System aus Gründen der Machtsicherung nicht verzichten. Himmler wurde Chef der Polizei, die mit der SS verschmolz, und sorgte in der Folge für eine Verstetigung der Lagerhaft, die sich auch organisatorisch in der Inspektion der Konzentrationslager (IKL) widerspiegelte. Aus dieser entscheidenden Phase stammte auch die bekannte Unterteilung von Häftlingen in Kategorien, die durch Kennzeichen sichtbar gemacht wurde. Der NS-Terror richtete sich weiterhin gegen politische Gegner, nun aber auch gegen „Asoziale“, Juden und Homosexuelle.

Dr. Jörg Osterloh machte deutlich, dass sich in der Unterteilung ein „von Willkür und Ideologie geprägtes Konstrukt“ der NS-Diktatur offenbare. Die Abzeichen stehen somit sinnbildlich für diesen Übergang und die steigenden Häftlingszahlen ab dem Jahr 1936.

Dr. Jörg Osterloh führte weitere Ergebnisse der neueren Forschung an, etwa zu den Häftlingszahlen. Die Forschung geht heute von einer wesentlich höheren Zahl aus, und auch das untermauert die Bedeutung der frühen Lager. Die „offizielle Zahl“, auf die die Forschung bisher verwies, lag bei 100.000 Häftlingen. Heute geht die Forschung jedoch davon aus, dass die Zahl wegen der kurzzeitig Inhaftierten  auf 150.000 bis 200.000 geschätzt werden muss. Zusätzlich wird die Systematik der Lager hervorgehoben, wohingegen die ältere Forschung noch von „wilden Lagern“ sprach. Zwar seien einige Lager vor Ort durch Improvisation und lokale Initiativen gekennzeichnet gewesen, aber die Verstrickungen der Landes- und  Reichsbehörden und die Instrumentalisierung durch die Propaganda offenbare eine große Systematik.

Forschungslücken

Dr. Jörg Osterloh sprach außerdem einige weiße Flecken der Forschung an: Es sei jenseits der bekannten Kategorisierung von Häftlingen wenig über Insassen bekannt, die wegen Wirtschaftsdelikten eingesperrt wurden. Außerdem stünde die Frage nach den Funktionshäftlingen im Raum und ob und wie sie in ihre Position gedrängt wurden – hier könnten die Anfänge des sogenannten „Kapo-Systems“ liegen. Zusätzliches Potenzial sei sicherlich in den vielgestaltigen Schicksalen der Häftlinge nach der Entlassung zu finden. Einen ersten Schritt zur Füllung der weißen Flecken hat die Forschung der vergangenen Jahre erbracht. Dabei bildet der Fokus auf die Häftlinge und Haftbedingungen einen Kernpunkt, um den sich auch die Beiträge in dem Sammelband „Häftlinge der frühen Konzentrationslager 1933-1936/37“ von Jörg Osterloh und Kim Wünschmann drehen.

Der zweite Tag der Fachtagung begann mit Impulsvorträgen.

Zunächst beleuchtete Dr. Thomas  Lutz (Stiftung Topographie des Terrors, Berlins) in einem Rückblick die gesellschaftliche und wissenschaftliche Rezeption früher Lager. Dabei wurde der Wandel in der Auseinandersetzung mit diesem Thema deutlich.

Dann richtete Dr. Nicola Wenge (DZOK Ulm) den Blick auf Probleme und Potenziale der Gedenkstättenarbeit an Orten früher Lager. Sie verwies auf die Bedeutung dieser Orte für Geschichtsverständnis und Bildungsarbeit: Massenmorde und Völkermordverbrechen der Nationalsozialisten könnten nur verstanden werden, wenn der Prozess der „kumulativen Radikalisierung“ der Gewalt von seinen Anfängen her gedacht werde.

Dr. Thomas Lutz ermöglicht mit seinem Vortrag einen breiten Blick auf Gesellschaft und Wissenschaft - und deren Beschäftigung mit den frühen Lagern. Foto: LpB/Thomas Stein

Frühe Lager-Gedenkstätten – Entwicklung von Forschung und Rezeption in den letzten 25 Jahren

Dr. Thomas Lutz, Stiftung Topographie des Terrors, Berlin

Der Vortrag von Herrn Dr. Thomas Lutz machte deutlich, dass sich in den letzten 30 Jahren die Wahrnehmung der frühen Konzentrationslager sowohl in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung als auch in der Forschung geändert hat. Entlang der Forschungsentwicklung erläuterte der Referent die Rezeptionsgeschichte der frühen Lager.

Die Anfänge

Als erste Zeugnisse sind die autobiographischen Schriften ehemaliger Häftlinge zu nennen, die teilweise noch während der Inhaftierung verfasst wurden. Außer Eugen Kogons Werk „Der SS-Staat“, das der Soziologe nach der Befreiung aus seiner Haft im Konzentrationslager Buchenwald schrieb, fand in den ersten Jahren aber keine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema statt.

Dr. Thomas Lutz machte deutlich, dass sich die Geschichtswissenschaft erst sehr spät und zögerlich der frühen Lager annahm. Der Start der Forschung Ende der 1970er war dann von Initiativen geprägt, die sich stark vom Nationalsozialismus abgrenzen wollten. Im Fokus stand der Widerstand. Man suchte und fand schnell Vorbilder unter Häftlingen, die dem Terror trotzten. Währenddessen stellte sich aber heraus, dass die Opfergruppe sehr heterogen war und, wenn überhaupt, erst sehr spät entschädigt wurde.

Der Fokus lag anschließend eher auf den Fragen von Aussöhnung, Entschädigung und dem Holocaust, bei dem die Verbrechen in Deutschland in den Hintergrund gerieten. Das Interesse galt vor allem auf den späten Lagern und sozio-ökonomischen Erklärungen für die Etablierung der NS-Diktatur. Dies zeigten auch erste Ausstellungen.

Dr. Lutz machte auch auf die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen in der Forschung im geteilten Deutschland aufmerksam: Während die DDR ihre Geschichtsschreibung zur NS-Zeit institutionalisierte und den Fokus auf die antifaschistischen Häftlinge zuspitzte, lenkten Historiker/-innen der Bundesrepublik die Aufmerksamkeit auf die Organisationsgeschichte der Konzentrationslager. Vernachlässigt wurden hingegen Einzeluntersuchungen und der Haftalltag.

Neue Aspekte
Diesen Themen widmete sich in den 1980er und 1990er Jahren dann aber eine Vielzahl von außeruniversitären Initiativen. Es wurden zahlreiche Gedenkstätten und Geschichtswerkstätten gegründet. Sie bildeten die  Triebkraft hinter der lokalgeschichtlichen Erforschung der frühen Lager, die von den Historiker/-innen lange Zeit vernachlässigt wurden. Seitdem sind mehrere Sammelbände und Monographien erschienen, die sich mit einzelnen Lagern der Vorkriegszeit und den unterschiedlichen Häftlingsgruppen beschäftigen. Die gewonnen Erkenntnisse sind dann in Teilen erst kürzlich in die Gesamtdarstellung der NS-Konzentrationslager von Nikolaus Wachsmann eingeflossen.

In dem Vortrag wurde neben dem geschilderten Wandel der Schwerpunktlegung auch deutlich, dass sich die Fragen der Forschung immer wieder um bestimmte Aspekte der frühen Lager drehen. Dabei spielt die Periodisierung eine besondere Rolle: Während in den 1990ern der Übergang von frühen zu späten Lagern im Blickfeld stand, werden heute die Kontinuitäten alter Strukturen und Anknüpfungspunkte der Zwischenkriegszeit betont.

Auch das Wesen der frühen Lager wird unterschiedlich bewertet: Dr. Osterloh schilderte schon, dass frühere geschichtswissenschaftliche Arbeiten den Willkürcharakter der Lager hervorhoben. Dieser wird heute durch die Annahme ersetzt, dass das Wesen der frühen Lager statt von Willkür eher von Systematik gekennzeichnet war. Zudem werden Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede im Vergleich mit anderen Verbrechenskomplexen untersucht sowie die unterschiedlichen Opfer- und Tätergruppen in den Blick genommen.

Zuletzt  wurde auch abseits der Forschung auf die Besonderheiten der frühen Lager aufmerksam gemacht – beispielsweise durch die sächsische Kultusministerin, die die Bedeutung der Lager für die historisch-politische Bildung hervorhob. 

Dr. Lutz regte am Ende seines  Vortrags dazu an, die angestrebte Vernetzung der Teilnehmenden auch aus einem ganz forschungspraktischen Grund voran zu treiben: Er sehe prinzipiell die Möglichkeit eine Gesamtgeschichte der frühen Lager zu erstellen und damit auch eine Lücke der Rezeption zu schließen. Dafür sei aber eine Zusammenarbeit der Initiativen und die Zusammenstellung der lokalgeschichtlichen Forschungsergebnisse von Nöten.
 

Dr. Nicola Wenge schildert die Lücke zwischen Erwartungen und Möglichkeiten aus Sicht der Gedenkstättenpraxis. Foto: LpB/Thomas Stein

Probleme und Potenziale der Gedenkstättenarbeit zu frühen Konzentrationslagern

Dr. Nicola Wenge, Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm

„Jedes Schulkind kennt die Namen Buchenwald und Dachau, aber Sachsenburg oder Oberer Kuhberg? Nie gehört.“ – Mit diesen Worten unterstrich Dr. Nicola Wenge noch einmal die Ergebnisse der vorangegangenen Vorträge von Dr. Osterloh und Dr. Lutz: Die Gräueltaten in den frühen Konzentrationslager wurden in der Rezeption vom Schrecken der späteren Vernichtungslager überlagert. Das sei eine inhaltliche Herausforderung, denn gerade die Vermittlung des Wissens um die Anfänge der Demokratiezerstörung sei zunehmend von den Gedenkstätten gefragt.

Als „multifunktionale Einrichtungen“ sind Gedenkstätten zu frühen Lagern heute mehr als Erinnerungs- und Forschungsort. Sie sollen zudem als Bildungsstätte zur Verfügung stehen und zur Demokratieerziehung dienen. Der Vortrag von Dr. Nicola Wenge machte aber deutlich, dass die Gedenkstätten diesen Anforderungen in der Praxis oft nur schwer genügen können. Besonders sichtbar wurden die Probleme anhand der drei Workshop Themen: Forschung, Vermittlung, Denkmalpflege.

Große Aufgaben und steigende Erwartungen bei „struktureller Einsamkeit“
Der Impulsvortrag startete mit einer Übersicht über die 15 arbeitenden und drei in Aufbau befindlichen Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager. Dabei wurde besonders deutlich, was in den vorherigen Beiträgen bereits angeklungen war: Die Stätten sind von Vielfalt geprägt. Sie unterscheiden sich in der Trägerschaft, der Forschungs- und Vermittlungsarbeit, der Ausstattung und Nutzbarkeit des Orts. Auch die Entstehung und Entwicklung der Gedenkorte verlief ungleichmäßig – hier wurde wiederum an die vielen lokalen Initiativen in den 1980/1990er Jahren erinnert.

Neben den Unterschieden gibt es aber auch Gemeinsamkeiten in Bezug auf Problemstellungen der täglichen Arbeit:
Für den Bereich der Forschung, eigentlich die Basis der Arbeit, identifizierte Dr. Nicola Wenge eine enorme „Wissensschere“ zwischen großen und kleinen Gedenkstätten. Die letzteren hätten oft Probleme, die Grundlagenarbeit zu stemmen, da sie im Alltagsgeschäft zwischen vielen anderen Aufgaben häufig untergehe.

Begrenzte personelle Ressourcen und finanzielle Mittel seien ein Grund dafür, dass externe Kooperationen notwendig werden. Als möglichen Lösungsweg sei eine Vernetzung sowohl zwischen den Gedenkstätten, als auch mit Universitäten unerlässlich. Nur so könne Wissen gebündelt und zukünftiges Fachpersonal an die Forschungsstätten herangeführt werden.

Auch die Vermittlungsarbeit stehe vor immensen Herausforderungen: Es werde verlangt, dass die Gedenkstätten einen Gegenwartstransfer vornehmen und somit das historische Lernen mit der demokratischen Erziehung verbinden. An sich sei das gerade nach den vielseitigen Angriffen der Rechtspopulisten auf den Erinnerungskonsens wichtig. Problematisch scheint dabei aber, dass die Praxis oft keinen Raum für eine tiefergreifende Beschäftigung mit tagesaktuellen Fragen lasse.

Zu den Hauptproblemen zählten neben dem Schulalltag auch die angesprochenen Probleme mit Ausstattung und Personal. Auch hier gelte, dass diese Kernaufgabe nur mit einer stabilen und dauerhaften Unterstützung der Träger erfüllt werden könne – Vernetzung bietet in den Augen von Dr. Wenge auch hier die einzige Chance zur Besserung.

Die Herausforderungen betreffen auch den Umgang mit dem historischen Ort – der sowohl für das Gedenken als auch die Vermittlung unersetzlich ist. Die Schilderungen machten deutlich, dass es in vielen Fällen fünf vor zwölf ist, NS-Spuren zu retten oder die Bausubstanz zu sichern. Auch hier seien die oben beschriebenen strukturellen  Begebenheiten ein Haupthindernis. Eine engere Kooperation mit dem Denkmalschutz und die Einbindung des Ortes in die Vermittlung sei ein möglicher Ausweg.

Sowohl durch die knappen finanziellen und personellen Ressourcen als auch durch die geografische Dezentralität, seien die Gedenkstätten vor Ort von einer „strukturellen Einsamkeit“ gekennzeichnet. Ziel der Tagung war für Dr. Wenge somit auch, diese Einsamkeit der Vielen durch eine Kooperation und gemeinsame Lobby zu ersetzen.

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Positionierung und Austausch

Positionierung und Austausch – die Teilnehmenden beziehen gemeinsam Stellung, etwa auf die Frage, ob sie der Ansicht sind, dass die Gedenkstätten an Orten früher Lager zu wenig wahrgenommen werden. Die Antwort „Finde ich gar nicht!“ mag keiner geben. Foto: LpB/Thomas Stein

Erste Impulse waren gesetzt, es folgte der Austausch der Teilnehmenden im Foyer. Dr. Andrea Hoffend und Andreas Schulz (Lernort Zivilcourage & Widerstand Kislau) gaben Fragen in die Runde.

Dabei wurde sichtbar, was zuvor angeklungen war: Die Frage, ob die frühen Lager in ihrer historischen Bedeutung und ihrer Bedeutung in der historisch-politischen Bildung zu wenig wahrgenommen würden, beantworteten die Teilnehmenden mehrheitlich mit einem entschiedenen „Ja!“. 

Die Teilnehmenden sprachen auch über die finanzielle Ausstattung ihrer Einrichtungen, über Vermittlungskonzepte und Methodenwandel, Vorerwartungen an KZ-Besuche und andere Themen wie die fehlende Förderung des außerschulischen Lernens und die politische Situation.

Podiumsdiskussion

Am Nachmittag folgte eine Podiumsdiskussion, die diese Themen in Bezug zur Arbeit von Einrichtungen und Initiativen vor Ort setzte. Bereits bei dieser Gelegenheit kam zur Sprache, dass sich die Gedenkstättenmitarbeitenden an Orten früher Konzentrationslager mehr Austausch und Vernetzung wünschen.

Das Podium bestand aus (v.r.n.l.): Dr. Irene von Götz (Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße Berlin), Melanie Engler (Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin), Eberhard Dittus (Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt a.d.W.) und Anna Schüller (Geschichtswerkstatt Sachsenburg). Die Moderation übernahm Dr. Nicola Wenge (Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm). Foto: LpB/Thomas Stein

Probleme und Perspektiven der aktuellen Arbeit

Die Teilnehmenden spiegelten die Vielseitigkeit der Gedenkstätten wider, die auch schon in den Vorträgen betont wurde: Während einige der Orte bis heute um einen angemessenen Gedenkort kämpfen, haben andere das Glück gehabt, nach einiger Zeit unterstützende Institutionen oder Firmen zu finden.

Gemein haben die Gedenkstätten aber trotzdem eine schwierige Anfangszeit: Eberhard Dittus machte die Widerstände in der Startphase seiner Initiative deutlich und schilderte eine prägende Begegnung mit einer Besucherin, die sinnbildlich für die gesamte Rezeption der frühen Lager steht.

Nachdem in der Führung durch den Gedenkort davon gesprochen wurde, dass das ehemalige KZ schnell „in Vergessenheit geraten“ sei, widersprach eine Besucherin energisch und erklärte: „Wir haben nichts vergessen. Wir wurden nur nicht gehört!“ Diese Schilderung verdeutlicht mit welchen Hindernissen die Opfer und Jahre später auch die Initiativen oft kämpfen mussten.

Neben dem Austausch über die Entstehungsjahre, standen auch aktuelle Herausforderungen im Fokus:

Die von Dr. Nicola Wenge geschilderten Problemfelder fanden sich in der Podiumsdiskussion wieder und wurden an konkreten Beispielen verdeutlicht.

Fast alle Teilnehmenden müssen mit einer schwierigen personellen und finanziellen Situation kämpfen und bangen um den Erhalt des historischen Ortes. Dabei erläuterte Dr. Irene von Götz die Kooperationsmöglichkeiten mit Universitäten, die in Berlin besonders gut erreichbar seien – was aus Gründen der „strukturellen Einsamkeit“ wiederum nicht für alle Initiativen zutrifft.

Neben den praktischen Problemen wurden auch die neueren Forschungsergebnisse in die Diskussion integriert. Die Teilnehmenden tauschten sich über mögliche Verknüpfungsformen von Weimarer- mit NS-Geschichte an den Lernorten aus. Zudem wurden Herausforderungen die aus der aktuellen politischen Lage resultieren angesprochen und Fragen des Gegenwartstransfers diskutiert.

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Workshops

Im Anschluss wurden drei Workshops durchgeführt, deren Themensetzung sich an den Handlungsfeldern der Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager orientierte.

Workshop 1:

Forschung an Gedenkstätten zu frühen Lagern
Angelika Arenz-Morch (Gedenkstätte KZ Osthofen) stellte ausführlich die Quellenlage zu frühen Konzentrationslagern vor. Anschließend wurden Herausforderungen und Möglichkeiten der jeweiligen Quellenarten besprochen und Erfahrungen der Forschung ausgetauscht.

Workshop 2:

Vermittlungsarbeit und Gegenwartstransfer
Dr. Gunnar Richter (Leiter der Gedenkstätte Breitenau) stellte zunächst seine eigene Arbeit am Ort eines frühen Konzentrationslagers vor. Dann erarbeitete er gemeinsam mit den Teilnehmenden unterschiedliche Ansätze für einen Gegenwartstransfer im Vermittlungsangebot.

Workshop 3:

Denkmalpflegerische Herausforderungen
Dr. Christian Bollacher
(Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg) stellte den Stand der denkmalpflegerischen Erfassung der ehemaligen Konzentrationslager auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg vor. Mit den Teilnehmenden diskutierte er die Bedeutung  denkmalwerter Substanz als Grundlage von Denkmalpflege und Gedenkstättenarbei.

Angelika Arenz-Morch, Gedenkstätte KZ Osthofen

Der Hauptfokus des Workshops lag auf dem Austausch über die unterschiedlichen Quellenarten. Dabei wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet.

Es offenbart sich ein sehr vielseitiges Bild: Von Zeitungsartikeln der in- und ausländischen Presse und Fotos bis hin zu Verwaltungsakten, dienen mehrere Quellenarten zur Erforschung der frühen Konzentrationslager.

Bei der Schilderung der Forschungspraxis wurde deutlich, dass zahlreiche Quellen zu Häftlingen und Tätern  zwar existieren, in der Praxis des zeiteinnehmenden Gedenkstättenbetriebs aber nur selten gesichtet werden können.

Hinzu kommt, dass die Kooperation mit Universitäten oft schleppend verläuft, da deren Schwerpunkte immer seltener auf der Regionalgeschichte liegen. Dabei bieten sich der Forschung eigentlich neue und umfangreiche Möglichkeiten: Bei vielen Akten laufen die allgemeinen Sperrfristen zeitnah ab und Vieles wartet somit darauf neu erschlossen zu werden.

Angedacht wird deshalb eine engere Kooperation unter den Gedenkstätten, um Ressourcen zu bündeln und die wichtige Kernaufgabe der Forschung nicht weiter zu vernachlässigen

Wie lässt sich das Thema „frühe KZ“ an Gedenkstätten und Schulen vermitteln?
Wie kann ein Gegenwartstransfer gelingen?


Die Assoziationen, die mit dem Wort „KZ“ einhergehen, dürften gemeinhin stets dieselben sein: Zwangsarbeit, Gaskammern und tausende Ermordete. Diese Aspekte treffen allerdings auf frühe Konzentrationslager, die von den Nationalsozialisten bereits kurz nach der Machtübernahme  errichtet wurden, kaum zu. So stehen die frühen Lager vor allem für den Übergang einer Demokratie zur Diktatur und für den Terror durch willkürliche Verhaftungen von meist politisch Andersdenkenden. Im Workshop vertreten waren sowohl Mitarbeitende von Einrichtungen an Orten früher wie später Lager als auch Lehrkräfte an Schulen.

Dementsprechend mannigfaltig waren auch die Fragen, die die Teilnehmenden in den Workshop einbrachten: Wie kann vor Ort ein Lebensweltbezug vor allem für jugendliche aber auch für ältere Besucherinnen und Besucher hergestellt werden? Wer ist für die Vorbereitung eines Gedenkstättenbesuchs verantwortlich und wie sollte eine gute Vorbereitung aussehen? Wie können Besucherinnen und Besucher an einem Ort eines frühen Lagers auf der emotionalen Ebene angesprochen werden?

Impulsreferat:
Vermittlungsarbeit an Orten früher KZ am Beispiel Breitenau

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 setzte im Deutschen Reich eine riesige Verhaftungswelle ein, im Zuge derer Zehntausende politischer Gegner des Regimes in Konzentrationslager verschleppt wurden. All diese Verhaftungen erfolgten ohne gerichtlichen Prozess und ohne Angaben, aus welchen Gründen und wie lang die Gefangenen inhaftiert werden sollten. In Breitenau (im heutigen Bundesland Hessen) wurde im Juni 1933 ein Konzentrationslager in einer ehemaligen Klosterkirche eingerichtet, in dem vorwiegend Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschafter in „Schutzhaft“ genommen wurden.

Insgesamt waren bis März 1934 fast 500 Menschen im Lager Breitenau inhaftiert, die mit Arbeit, Essensentzug und Folter terrorisiert wurden. Die Nationalsozialisten selbst beschrieben diese Form der Lager zynisch als Einrichtungen, in denen die Gefangenen „zu Staatsbürgern“ gemacht werden sollten, „die sich in die neue Form der Volksgemeinschaft willig einreihen". Die meisten „Schutzhäftlinge“ wurden nach einigen Wochen wieder entlassen; für einige aber war Breitenau nur die erste Station eines langen Leidensweges durch das Lagersystem der Nationalsozialisten.

Dr. Gunnar Richter erläuterte im Anschluss an diesen historischen Abriss anhand ausgewählter Biografien von Häftlingen exemplarisch, wie diese frühe Form des NS-Terrors in Breitenau wirkte. Aufgrund der zeitlichen Distanz zu den Ereignissen gibt es heute keine Zeitzeugen mehr, die von dieser frühen Form des Terrors berichten und ihre Erfahrungen weitergeben könnten.

An der Gedenkstätte Breitenau wurden daher seit den 1980er Jahren beständig Quellen recherchiert und aufbereitet – viele davon sind Akten über und Aufzeichnungen von Häftlingen. Faksimiles dieser Dokumente hat Herr Dr. Richter in den letzten Jahren zu Mappen zusammengestellt, anhand derer sich Besucherinnen und Besucher Biografien einzelner Häftlinge erschließen können. Durch die Beschäftigung mit einer konkreten Person sei es möglich, eine emotionale Distanz zu überwinden und einen persönlichen „Bezug“ zu den Opfern herzustellen.

Erarbeitungsphase:
Herausforderungen der Vermittlungsarbeit und Gegenwartstransfer

Im nächsten Schritt erarbeiteten die Teilnehmenden des Workshops selbst Antworten auf die Fragen, die zu Beginn des Workshops gesammelt wurden, in einem World Café. Gegliedert war die Erarbeitungsphase in drei Panels:

Lebensweltbezug und Zielgruppenansprache

  • Wie gelingt eine Vermittlungsarbeit für Gruppen mit hohem Migrationsanteil?

    • Thematisch über Erfahrungen von Flucht und Vertreibung heute
    • Zu beachten ist, dass manche Besuchende eventuell Traumatisches erlebt haben und nicht überwältigt werden dürfen.
    • Auch die Frage nach einem menschlichen Miteinander damals und heute könnte Anknüpfungspunkte bieten.

  • Wie gelingt ein Lebensweltbesuch für Jugendliche?

    • Eventuell über einen familiären Bezug (Gibt es Vorfahren, die über KZ gesprochen haben?)
    • Über den regionalen Bezug („Genau hier ist es geschehen, in dem Ort, in dem ihr heute lebt.“)
    • Über Erfahrungen von Jugendlichen mit Ausgrenzung und Mobbing. (Generell sollte darauf geachtet werden, dass Jugendliche sich an solchen Gesprächen freiwillig beteiligen und nicht überwältigt werden. Hierzu ist eine gute Vorbereitung des Besuchs nötig.)

  • Wie können speziell ältere Besucherende angesprochen werden?

    • Durch Erzähl-Cafés, Raum für die eigene (Familien-)Geschichte
    • Vernetzung der Gedenkstätte mit anderen ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen
    • Durch Fragen zum Umgang mit Geschichte/Erinnerungskultur


Vorwissen und Vorbereitung für einen Gedenkstättenbesuch

  • Wer ist für die Vorbereitung eines Gedenkstättenbesuchs verantwortlich?

    • Lehrkräfte wie Gedenkstättenmitarbeitende gleichermaßen
    • Im laufenden Unterricht ist meist die Zeit für eine fundierte Vorbereitung zu knapp; Gedenkstättenmitarbeitende könnten Check-Listen oder Arbeitsmaterial für Lehrkräfte zur Verfügung stellen. (Oft kostet das die Gedenkstättenmitarbeitenden viel Zeit, die aufgrund von Personalmangel kaum vorhanden ist; finanzielle Hilfestellungen zur Professionalisierung vor Ort wären hilfreich.)
    • Lehrkräfte hingegen sollten im Unterricht das Thema historisch einordnen – nicht die Inhalte der Gedenkstätte vorstellen.
    • Damit eine gute Vorbereitung des Gedenkstättenbesuchs gelingt, ist es wichtig, dass Gedenkstätten und Schulen in engem Kontakt miteinander stehen, dass die Ansprechpartner der jeweiligen Institution klar definiert sind. (Hilfreich sind in diesem Kontext etwa Schulpartnerschaften, in deren Rahmen die Zusammenarbeit bereits organisatorisch geregelt ist.)


  • Wie können Gedenkstättenmitarbeitende auf unterschiedliches Vorwissen einer Gruppe eingehen?

    • Denkbar ist, dass sich Jugendliche die Themen selbst erschließen, d. h. sich die Inhalte selbst erarbeiten und im Anschluss ihren Mitschülerinnen und Mitschülern präsentieren. Der Schwerpunkt liegt auf den Inhalten, die Jugendliche als interessant und vermittelnswert erachten. (Hierfür ist mehr Zeit – und vielleicht auch eine größere personelle Betreuung – vonnöten als für eine klassische Führung.)
    • Ähnliches ist im Rahmen einer GFS (Gleichwerte Feststellung von Schülerleistungen, benotetes Referat) denkbar.

Gegenwartstransfer

  •  Welche Themen eignen sich für einen Gegenwartstransfer?

    • Propaganda der Nationalsozialisten zur Zeit vor und nach der Machtübernahme
    • Rechtsruck in der Gesellschaft vor 1933
    • Verwendung von Begriffen damals und heute
    • Kontinuitäten, Brüche und Konsequenzen nach 1945
    • Bei all diesen Themen stellt sich jedoch stets die Frage, inwiefern sich Gedenkstätten tatsächlich tagespolitisch äußern sollen und wann eine etwaige Aktualisierung das Überwältigungsgebot tangiert, also wann Vergangenheit für heutige Zwecke instrumentalisiert wird.

  • Unter welchen Voraussetzungen kann ein Gegenwartstransfer gelingen?

    • Wichtig ist die Vorbereitung auf den Besuch; nur mit einem einigermaßen fundierten Wissen kann ein Transfer gelingen.
    • Zeitfaktor: In einem etwa 90-minütigen Besuch kann kein fundierter Gegenwartstransfer erfolgen; besser wären Workshops oder Projekte zu aktuellen Themen.
    • Nicht für alle Themen können Gedenkstättenmitarbeitenden Experten sein. Manchmal lohnt es sich, Beratung von Politikwissenschaftlern, Anti-Diskriminierungstrainern etc. einzuholen. 

Wie lassen sich materielle Spuren bewahren?
Welche Ziele verfolgen dabei Denkmalpflege und Gedenkstättenarbeit?

Die Generation der Frauen und Männer, die aus eigenem Erleben vom Terror der nationalsozialistischen Konzentrationslager zu berichten wissen, wird in absehbarer Zeit verstummt sein. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung rückt die materielle Hinterlassenschaft der Lagerstandorte ins Blickfeld einer neuen Aufmerksamkeit.

Das Landesamt für Denkmalpflege nimmt sich der „unbequemen Denkmäler“ an und sucht den Austausch mit den Gedenkstätten. Auch die Vorstellungsrunde, zu der Herr Dr. Bollacher die Teilnehmenden im Workshop einlud, folgte dieser Zielsetzung. Dabei kamen die Perspektiven unterschiedlicher Standorte zur Sprache. Vertreten waren Mitarbeitende von Gedenkstätten:

  • deren Denkmalbegründung soeben aktualisiert worden ist;

  • die auf Erforschung setzen, um Lücken in der Baugeschichte zu schließen;

  • deren historische Stätte von starken Überformungen geprägt ist;

  • die unter Denkmalschutz stehen, aber mit Abnutzungserscheinungen durch den Zustrom von Besucherinnen und Besuchern zu tun haben;

  •  für die eine denkmalpflegerische Erfassung noch Neuland ist.

Bereits in der Vorstellungsrunde wurden grundsätzliche Fragen angesprochen: Wie gestaltet sich das Zusammenspiel von Archäologie bzw. Kunst- und Baudenkmalpflege, Zeitgeschichtsforschung und Gedenkstättenarbeit? Auf welche Weise ergänzen sich Denkmalpflege und Gedenkstättenarbeit? Wo gehen die Zielsetzungen auseinander?

Herr Dr. Bollacher wies auf die noch junge Geschichte der NS-zeitlichen Lagerarchäologie hin. Sie sei seit der Wiedervereinigung entstanden. Bis heute gebe es in Deutschland keinen Lehrstuhl mit diesem Schwerpunkt. Allerdings hätten sich zwei, drei Experten auf dem Feld etabliert.

Impulsreferat 1:
Frühe Lager auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg – Stand der denkmalfachlichen Erfassung


Ein Überblick über den Stand an den fünf Standorten ehemaliger früher Lager ergibt folgendes Bild (in chronologischer Reihenfolge der Errichtung):

Konzentrationslager Heuberg, Stetten am kalten Markt, Landkreis Sigmaringen:

  • Kasernengelände, erbaut ab 1912;
  • errichtet als „Schutzhaftlager“ im März 1933; in Betrieb bis Dezember 1933;
  • Häftlinge untergebracht in Bestandsgebäude (Kasernengebäude);
  • LAD hat Gelände vor einiger Zeit geprüft und als „nicht denkmalschutzpflichtet“ eingestuft; Zustand: viele Gebäude abgerissen, Gelände überformt, Denkmaleignung liegt nicht vor.

Konzentrationslager Kislau, Bad Schönborn, Landkreis Karlsruhe:

  • Bischofssitz, erbaut 1723 bis 1743;
  • umgenutzt als Konzentrationslager im Land Baden im April 1933. In Betrieb bis April 1939.
  • Anwesen gilt als „hoch komplexes Denkmal“: Bau- und Kunstdenkmal sowie archäologisches Denkmal; Listentext beschreibt Baugeschichte samt Nutzung bis 1813/15 als Lazarett, später als Gefängnis;
  • Denkmalbegründung enthält bisher „eine Zeile zur Zeit des Schutzhaftlagers“;
  • Denkmalbewertung bzw. Denkmalbegründung erfolgt üblicherweise „anlassbezogen“; ein Nachtrag zur NS-zeitlichen Nutzung ist nach den Worten von Herrn Dr. Bollacher dringend erforderlich.

„Frauenschutzhaftabteilung“ Gotteszell, Schwäbisch Gmünd:

  • ehemalige Klosteranlage, erbaut wohl Anfang des 13. Jahrhunderts;
  • genutzt als Frauen-Lager im Land Württemberg ab März 1933. In Betrieb bis Januar 1934;
  • vermutlich keine sichtbaren Spuren aus der KZ-Zeit;
  • Denkmalbegründung enthält bisher noch nicht die Phase der KZ-Nutzung;
  • Ergänzung der Vollständigkeit halber anvisiert.

Konzentrationslager im Fort Oberer Kuhberg, Ulm:

  • Festungsanlage als Fort in den Jahren 1848 bis 1857 erbaut;
  • genutzt als frühes Konzentrationslager im Land Württemberg von November 1933 an. In Betrieb bis 1935;
  • die bisherige Denkmalschutzbegründung aus dem Jahr 1960 enthielt keinen Verweis auf die NS-zeitliche Nutzung der Festungsanlage;
  • die Denkmalwürdigung ist im Jahr 2017 auf KZ-Zeit anlassbezogen erweitert worden: Der Eintrag in die Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg Teil A1 (Stand 30.05.2018) beschreibt die Nutzung und Funktion des frühen Konzentrationslagers im Land Württemberg.
    Zusammenfassend heißt es: „Das Fort Oberer Kuhberg ist nicht nur als Bestandteil der Bundes- und Reichstagsfestung Ulm, sondern auch als frühes Konzentrationslager der NS-Zeit aus wissenschaftlichen und heimatgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung, an dessen Erhaltung mit sämtlichen Spuren dieser Nutzungsphase wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Wertes ein gesteigertes öffentliches Interesse besteht.“

Konzentrationslager Ankenbuck, Südschwarzwald, Schwarzwald-Baar-Kreis:

  • Gehöft im Jahr 1884 von der Badischen Landesvereinigung für Arbeiterkolonien erworben;
  • Als frühes KZ im Land Baden im Mai 1933 errichtet; in Betrieb bis März 1934;
  • Denkmalschutzbehörde schlägt Prüfung der Gebäude vor.

Herr Dr. Bollacher fasste die Besonderheiten der frühen Lager aus der Sicht der Denkmalpflege zusammen. Der Überblick der Standorte zeige, dass man mit Bestandsgebäuden zu tun habe, in deren zumeist langer Nutzungsgeschichte die KZ-Zeit eine Episode sei. Häufig bestand in den Gebäuden bereits eine Zellenstruktur. Deshalb mussten sie für die KZ-Nutzung nicht grundlegend umgebaut werden. Die Ablesbarkeit des KZ-Terrors sei deshalb begrenzt. Die Erfassungstiefe durch die Denkmalpflege ist nach seinen Worten sehr unterschiedlich. Die Denkmalbegründungen stammten aus den 1960er oder 1970er Jahren.

Die Teilnehmenden des Workshops diskutierten den Begriff „Ablesbarkeit“, der aus denkmal- und baufachlicher Sicht anders bewertet wird als aus gedenkstättenspezifischer Sicht. Zudem kam die Frage danach auf, welche Rolle die zeitbedingte Sicht auf die materiellen Spuren hat.

Impulsreferat 2:
Erfassung und denkmalfachliche Evaluierung ehemaliger Standorte des KZ-Komplexes Natzweiler in Baden-Württemberg


Anfang Februar 2018 hat das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart ein vierjähriges Projekt zur Erfassung noch vorhandener Relikte an den ehemaligen Standorten nationalsozialistischer Konzentrationslager in Baden-Württemberg gestartet. Dabei sollen zunächst die etwa 35 Außenlager des „KZ-Komplexes Natzweiler“ im Zentrum stehen.

Herr Dr. Bollacher erläuterte das Projekt, das auch anlässlich des Festakts zur Auszeichnung der Gedenkstätten im ehemaligen KZ-Komplex Natzweiler mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel in Stuttgart vorgestellt worden war.

Informationen zu dem Projekt in der Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Stuttgart

Im Workshop diskutierten die Teilnehmenden auf der Grundlage beider Impulsreferate über die Schnittmengen von Denkmalpflege und Gedenkstättenarbeit. Gemeinsame Zielsetzungen sind Aufklärung, die Schaffung eines Raumes für Trauer um die Opfer und um die Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Gemeinsame Zielsetzungen sind der Beitrag zur Erinnerung sowie der Erhalt von Grundlagen für die historische und politische Bildung.

Die Teilnehmenden befassten sich zudem mit Möglichkeiten, die Denkmalpflege in die Vermittlungsarbeit einzubeziehen. Zur Sprache kamen Projekte, bei denen Jugendliche in Ausgrabungsarbeiten einbezogen werden wie etwa am Standort des ehemaligen Konzentrationslagers Witten-Annen.

Zur Sprache kamen auch Forschungsergebnisse, die Aufschluss über die Baugeschichte, aber auch Einblicke in NS-zeitliche Lagernutzung geben wie etwa der Bericht des Kislau-Häftlings Hermann Stenz, der gemeinsam mit anderen KZ-Häftlingen an der Wiederherstellung des Bischofsbads gearbeitet hatte.

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Abschluss

Gruppenfoto der Kooperationspartner/-innen und Referierenden vor dem Haus auf der Alb, Bad Urach (von links nach rechts): Sibylle Thelen (LpB), Dr. Andrea Hoffend (LZW – Projekt Lernort Kislau), Dr. Nicola Wenge (DZOK), Dr. Thomas Lutz (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin), Dr. Jörg Osterloh (Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main), Eberhard Dittus (Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt a.d.W.), Dr. Christian Bollacher (Landesamt für Denkmalpflege), Anna Schüller, Geschichtswerkstatt Sachsenburg), Dr. Gunnar Richter (Gedenkstätte Breitenau), Andreas Schulz (LpB), Angelika Arenz-Morch (Gedenkstätte KZ Osthofen), Simon Lengemann (BpB), Melanie Engler (Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin), Luisa Lehnen (LZW – Projekt Lernort Kislau) und Dr. Irene von Götz (Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße, Berlin). Foto: LpB/Thomas Stein

Highlight des zweiten Abends bildete das sogenannte „Pecha Kucha“ (dt. „wirres Geplauder“).

In diesem Format, das Kurzvorträge mit Präsentationen von 20 Folien à 20 Sekunden vorsieht, stellten Teilnehmende ihre Institutionen auf prägnante Weise vor.

So verglich Dr. Sabine Graf (LpB Saarland) ihre Institution mit einer Perlenkette und stellte klar: „Wir haben die Struktur und den Verschluss!“. –

Anna Schüller (Geschichtswerkstatt Sachsenburg) erklärte die 4 Gs. –

Eberhard Dittus (Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt a.d.W) berichtete von der Arbeit des Gedenkorts und der Zusammenarbeit mit dem Hambacher Schloss beim Vermittlungsangebot „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. –

Wie ein Benediktinerkloster zu einem KZ wurde? Das schilderte Dr. Gunnar Richter (Gedenkstätte Breitenau). –

Zuletzt berichtete Dr. Christiane Walesch-Schneller (Blaues Haus,  Breisach im Breisgau) über Recherchen zu SS-Friedhöfen und Thomas Altmeyer (Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945) surfte mit allen durch das Internet-Portal „Gedenkorte Europa 1939–1945“.

Die Fachtagung in Bad Urach ging mit einem Rundgespräch der Kooperationspartner und der Teilnehmenden zu Ende.

Dabei würde das Wort von der „strukturellen Einsamkeit“ (Dr. Nicola Wenige) der Gedenkstätten an Orten früher Konzentrationslager noch einmal aufgegriffen: die Einrichtungen sind in ihren jeweiligen Bundesländern in den meisten Fällen die einzigen Orte mit dieser Geschichte.

Auch um dieser Situation etwas entgegen zu setzen, sprachen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Orte früher Konzentrationslager für eine engere Zusammenarbeit aus.

Dr. Thomas Lutz (Stiftung Topographie des Terrors) griff diese Überlegungen auf, indem er ein erstes bundesweites Arbeitstreffen im Jahr 2019 in Aussicht stellte.

Die Fachtagung ging auch in dem Bewusstsein zu Ende, an den Orten früher Konzentrationslager gerade heute, angesichts aktueller Bedrohungsszenarien der liberalen pluralistischen Demokratie, wichtige Impulse in der Bildungsarbeit setzen zu können. Die Geschichte der frühen Konzentrationslager zeigt am konkreten Beispiel die schnelle Zerstörung von Demokratie und gesellschaftlicher Vielfalt.  

Referentinnen und Referenten

Arenz-Morch, Angelika, geb. 1953, Studium der Fächer Soziologie, Geschichtswissenschaften und Politik in Mainz und Frankfurt am Main. Nach ihrem Diplom in Soziologie arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Forschungsprojekts im Schulbereich. Es folgten jeweils mehrjährige Tätigkeiten für den Christlichen Friedensdienst und den Förderverein Projekt Osthofen e. V. Seit 1999 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Referatsleiterin im Referat „Gedenkarbeit“ der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, dort zuständig für den Arbeitsbereich Archiv und Dokumentation der NS-Zeit in den Gebieten des heutigen Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen zum KZ Osthofen und zum politischen Widerstand gegen das NS-Regime.

Bollacher, Christian, Dr., geb. 1971, studierte Geschichte und Geologie in Tübingen, Cagliari und Innsbruck. 1999/2006 betreute er Projekte beim Landesamt für Denkmalpflege und promovierte in dieser Zeit über die Ausgrabung der „spätkeltischen Viereckschanze auf der Klinge bei Riedlingen“. Nach mehrjähriger Tätigkeit am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ist er seit 2012 im Referat „Operative Archäologie“ im Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg tätig. Seit Februar 2018 leitet er das Projekt „Erfassung und denkmalfachliche Evaluierung langzeitlicher Relikte an den ehemaligen Standorten des KZ-Komplexes Natzweiler in BW“.

Dittus, Eberhard, geb. 1954, Bildungsreferent der Ev. Kirche der Pfalz für Friedensarbeit. Er ist Vorsitzender der Gedenkstätte für NS-Opfer in Neustadt/Weinstraße und Mitglied im Sprecherrat der Landes¬arbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten- und Erinnerungsinitiativen (LAG) in Rheinland-Pfalz.

Engler, Melanie, geb. 1985, studierte Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Psychologie an der Universität Potsdam. Nach ihrem Studium absolvierte sie einen Europäischen Freiwilligendienst im Jüdischen Zentrum in O?wi?cim (Polen). Zunächst als wissenschaftliche Volontärin in der Gedenkstätte Hadamar beschäftigt, war sie dort im Anschluss an das Volontariat als pädagogische Mitarbeiterin tätig. Seit Dezember 2012 leitet Melanie Engler die Gedenkstätte KZ Lichtenburg Prettin. Seit September 2016 ist sie zudem Koordinatorin für die NS-Gedenkstätten in der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt.

Götz, Irene von, Dr. phil., geb. 1976, ist Leiterin der Museen Tempelhof-Schöneberg sowie des Gedenkortes SA-Gefängnis Papestraße. Zu ihren Veröffentlichungen gehört die 2008 erschienene Studie „Terror im Zentrum der Macht. Die frühen Konzentrationslager in Berlin 1933/34–1936“. Im Gedenkort hat sie seit 2011 die Dauerausstellung und verschiedene Sonderausstellungen kuratiert.

Hoffend, Andrea, Dr., geb. 1962, war nach einem an der Universität Mannheim absolvierten Lehramtsstudium der Politischen Wissenschaft und Zeitgeschichte, der Germanistik sowie der Ostslawistik zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem von Hermann Weber verantworteten Drittmittelprojekt zur Gewerkschaftsgeschichte und hernach als dessen Lehrstuhlassistentin tätig. 1996 promovierte sie mit einer breit angelegten vergleichenden Studie über die Kulturbeziehungen zwischen Nazi-Deutschland und faschistischem Italien in den Jahren 1933 bis 1943. Über Nationalsozialismus und italienischen Faschismus hinaus liegen ihre Forschungsschwerpunkte vor allem auf der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung sowie auf der Regionalgeschichte des deutschen Südwestens. Nach jeweils mehrjähriger Tätigkeit in der städtischen Kulturarbeit, im Business Development eines australischen Unternehmens sowie im Kommunikationsmanagement war sie zuletzt freiberuflich für öffentliche Verbände, Gewerkschaften und Bundes-SPD auf verschiedenen Feldern der Public History tätig. Seit Februar 2015 leitet sie das Projekt Lernort Kislau, das mittlerweile von der öffentlichen Hand institutionell gefördert wird.

Lehnen, Luisa, geb. 1992, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Lernort Kislau. Sie leistete einen Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Jüdischen Zentrum O?wi?cim (Auschwitz). Anschließend studierte sie Geschichte und Europäische Ethnologie in Freiburg i. Br. und absolvierte den interdisziplinären Elitestudiengang Osteuropastudien an der LMU München. 2015 bis 2017 war sie freie Mitarbeiterin am NS-Dokumentationszentrum München im Bereich Bildung und Vermittlung.

Lengemann, Simon, geb. 1987, Studium der Geschichte und Amerikanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und an der Universität Kopenhagen. Er ist Referent für Erinnerungskultur und Gedenkstätten bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Zuvor hat er ein Verlagsvolontariat in der Buchredaktion der bpb absolviert.

Lutz, Thomas, Dr., geb. 1957, ist Leiter des Gedenkstättenreferats der Stiftung Topographie des Terrors, Berlin. Studium der Geschichte, Politik- und Sportwissenschaft. Redakteur des „GedenkstättenRundbrief“ und des Online-„GedenkstättenForum“. Beratungstätigkeiten für Gedenkstätten und die öffentliche Hand. Arbeitsschwerpunkt: Knüpfung eines Netzwerkes der Gedenkstätten für NS-Opfer in Deutschland. Gründungs- und Vorstandsmitglied des IC MEMO (International Council of Memorial Museums for Victims of State Crimes im ICOM). Vorsitzender des internationalen Beirats der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Osterloh, Jörg, Dr., geb. 1967, studierte an der Universität Hannover Geschichte und Politikwissenschaft. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut an der Technischen Universität (TU) Dresden und Stipendiat der Volkswagen-Stiftung an der Ruhr-Universität Bochum. Zudem gehörte er der Forschungsgruppe zur Geschichte der Dresdner Bank 1931–1957 an der TU Dresden an. 2004 wurde er mit einer Studie über die nationalsozialistische Judenverfolgung im Reichsgau Sudetenland an der TU Dresden promoviert. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt über Friedrich Flick und den Flick-Konzern im 20. Jahrhundert, 2004 zunächst an der Ruhr-Universität Bochum, ab 2005 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2008 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fritz Bauer Instituts und Lehrbeauftragter an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Seit 2009 ist Jörg Osterloh Redakteur der Einsicht. Bulletin des Fritz Bauer Instituts. Seine Forschungsschwerpunkte und Veröffentlichungen sind die Geschichte des Antisemitismus, der NS-Judenverfolgung und des Holocaust sowie Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg.

Richter, Gunnar, Dr. phil., geb. 1953, ist Mitbegründer und Leiter der Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen, die 1984 eingerichtet wurde. Er ist ausgebildeter Lehrer für die Fächer Gesellschaftslehre und Kunst und promovierte 2004 an der Universität Kassel über die Geschichte des Arbeitserziehungslagers Breitenau (1940-1945) sowie Fragen des Umgangs mit dem Geschehen in der Nachkriegszeit. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Forschungen zur Geschichte Breitenaus und der nordhessischen Region während der NS-Zeit und Fragen der Vermittlung. Er ist außerdem Mitglied in der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Gedenkstättenpädagogik sowie im Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Hessen.

Schüller, Anna
, geb. 1991, hat Kunst und Geschichte auf höheres Lehramt f. Gymnasien studiert. Sie ist Gymnasiallehrerin, lebt in Chemnitz und promoviert am Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik der Universität Leipzig unter dem Thema „Sachsenburg als Ort sozialer und ideologischer Disziplinierung. Geschichte – Akteure – Erinnerung 1850 bis heute“. Sie erarbeitete das Konzept für die zukünftige Gedenkstätte in Sachsenburg. Anna Schüller ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der Geschichtswerkstatt Sachsenburg und betreut die Website www.gedenkstaette-sachsenburg.de redaktionell.

Schulz, Andreas, geb. 1988, studierte Geschichte und Klassische Philologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Seit 2016 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Lernort Kislau und seit 2017 Fachreferent für Jugend- und Vermittlungsarbeit an Gedenkstätten an der Landeszentrale für politische Bildung. Im selben Jahr erhielt er einen Lehrauftrag für Medien-Rezeption an der Karlshochschule Karlsruhe. Veröffentlichungen und Arbeiten zur Schnittstelle zwischen Schulen und Gedenkstätten sowie zum Einfluss der Digitalisierung auf die Erinnerungskultur.

Thelen, Sibylle, geb. 1962, leitet die Abteilung „Demokratisches Engagement“ bei der Landeszentrale für politische Bildung und den Fachbereich Gedenkstättenarbeit. Sie studierte Politikwissenschaft, Turkologie und Kommunikationswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und absolvierte parallel zum Studium die Deutsche Journalistenschule. Nach dem Diplom arbeitete sie u.a. als Journalistin in der Türkei, beim Süddeutschen Rundfunk und in der Politikredaktion der Stuttgarter Zeitung, als Lektorin im Sachbuchbereich und für wissenschaftliche Publikationen. Veröffentlichungen zu Erinnerungskultur und Aufarbeitung sowie zum Völkermord an den Armeniern.

Wenge, Nicola, Dr. phil., geb.1968, ist wissenschaftliche Leiterin des Dokumentationszentrums Oberer Kuhberg Ulm e. V., KZ-Gedenkstätte und Mitglied im Sprecherrat der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen. Die Historikerin hat zahlreiche Veröffentlichungen in den Bereichen Regionalgeschichte des Nationalsozialismus, Verfolgung und Widerstand, Antisemitismusforschung und jüdische Geschichte, Erinnerungskultur vorgelegt. Nach dem Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaft promovierte sie zum Thema „Zwischen Integration und Ausgrenzung. Eine jüdisch-nichtjüdische Beziehungsgeschichte in Köln 1918–33“. Die Arbeit wurde mit dem Erhardt-Imelmann-Preis der Universität zu Köln und dem Albert-Steeger-Preis des Landschaftsverbands Rheinland ausgezeichnet. Vor ihrem Wechsel nach Ulm im Jahr 2009 arbeitete Nicola Wenge als wissenschaftliche Mitarbeiterin am NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.

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Veranstaltende:

Programm mit Logos (Download als PDF)

 









 

 

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Neue Dokumentation

 

Gespaltene Erinnerung?
Diktatur und Demokratie an Gedenkorten und Museen in Baden-Württemberg.

Die 90seitige Publikation dokumentiert den Austausch von Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus und Erinnerungsstätten der Demokratiegeschichte auf Basis einer Tagung im März 2018 in Bad Urach.
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Guide: Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

Nachschlagewerk zu den Gedenkstätten in Baden-Württemberg, 5. aktualisierte und erweiterte Auflage 2012.
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Filmprojekt: "Mehr als alte Steine - Wie Geschichte erlebbar gemacht wird"

 

In Zusammenarbeit mit der LpB erstellten Studierende der Hochschule der Medien, Stuttgart (HdM) im Rahmen der Lehrveranstaltung „Videoproduktion“ einen Film über die Gedenkstättenarbeit in Baden-Württemberg.
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