Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

Podiumsgespräch am 10. April 2015

Der Völkermord an den Armeniern

Am 10. April 2015 lud die Landeszentrale für politische Bildung zu einem weiteren Gesprächsabend in der Reihe „Erinnerungskultur – Erinnerungskonflikte“ in die Stadtbibliothek Stuttgart ein.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Aufarbeitung des Armeniermords im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren.


Die Gäste des Gesprächsabends Cem Özdemir und Dr. Rolf Hosfeld (in der Mitte von links nach rechts), eingerahmt von den Moderatoren der Landeszentrale für politische Bildung Sibylle Thelen und Reinhold Weber. (Foto: LpB, Saskia Weishaupt)

Am 24. April 1915 ließ die jungtürkische Einparteiendiktatur in Istanbul die Elite der armenischen Gemeinde aus ihren Häusern holen. Hunderte wurden nach Anatolien verschleppt und später in vielen Fällen ermordet. Jener Tag vor hundert Jahren gilt den Armeniern weltweit als Beginn des Völkermords an ihren Vorfahren. In Kleinasien eskalierten die systematisch geplanten Deportationen und Massaker. Am Ende des Ersten Weltkriegs waren die armenische Minderheit, ihre Kultur und ihr Erbe in Anatolien weitgehend ausgelöscht. 

Im Rahmen dieses Abends wurden über drei zentrale Fragethemen gesprochen:

  • Was geschah 1915?
  • Warum tut sich die Türkei mit der Aufarbeitung so schwer?
  • Welche Rolle hatte Deutschland als Bündnispartner damals und welche Rolle hat es heute?

Nach einer Begrüßung durch die Stadtbibliothek führte Dr. Rolf Hosfeld das Publikum in den geschichtlichen sowie politischen Hintergrund um 1915 ein und schilderte die Abläufe des Genozids.

Anschließend beantworteten beide Gäste Fragen zur Aufarbeitung innerhalb der Türkei sowie zur damaligen deutschen Verstrickung.

Am Ende des Gesprächsabends kamen Cem Özdemir sowie Dr. Rolf Hosfeld beide zu dem Entschluss, dass die Anerkennung, des Völkermords an den Armeniern, seitens Deutschlands eine wichtige Rolle in der Aufarbeitung  sei. 

Vorstellung des Buches „Tod in der Wüste.
Völkermord an den Armeniern

(Verlag C.H. Beck 2015) von Dr. Hosfeld


 


 


Gesprächspartner:
Dr. Rolf Hosfeld

 

Dr. Rolf Hosfeld ist wissenschaftlicher Leiter des Lepsiushauses in Potsdam. In seinem Buch „Tod in der Wüste. Völkermord an den Armeniern“ (Verlag C.H. Beck 2015) analysiert er die Hintergründe und den Verlauf dieses ersten großen Genozids des 20. Jahrhunderts.

Dr. Rolf Hosfeld analysiert die Geschehen um 1915 sowie den geschichtlichen und politischen Hintergrund.
Audiomitschnitt (10:26 Min., mp3 7.6 MB)


 

 

Gesprächspartner
Cem Özdemir

 

Cem Özdemir ist Bundesvorsitzender Bündnis 90/ Die Grünen wie auch Bundestagsabgeordneter aus Stuttgart. Er setzt sich für die Auseinandersetzung mit dem Völkermord an den Armeniern 1915 ein und zählte zu den Erstunterzeichnern einer Erklärung türkischer Intellektueller im Jahr 2008, die sich öffentlich für die Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg entschuldigten.

Audioausschnitt: "Rolle des deutschen Kaiserreiches und eine Forderung für die Zukunft"
Cem Özdemir über die Haltung Deutschlands zum Völkermord an den Armeniern.
Ein Audioausschnitt (4:58 Min., mp3 3.4 MB)

 

 


 

 

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