Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

Delegation aus dem Land besucht Shavei Zion

Rückblick auf die Informationsreise der Landtagspräsidentin nach Israel

Die Delegation aus Baden-Württemberg mit Amos Fröhlich (vorne, zweiter von links) neben der Landtagspräsidentin und Gideon Weil (vorne, ganz rechts) am Otto-Hirsch-Denkmal.
Foto: Landtag BW

Reise vom 25. Februar bis 1. März 2019

An der Informationsreise der Landtagspräsidentin Muhterem Aras nahmen auch die Vizepräsidentin des Landtags Sabine Kurtz (CDU), die Fraktionsvorsitzenden Andreas Schwarz (Grüne), Andreas Stoch (SPD) und Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP/DVP) sowie einige Mitglieder des Präsidiums und Vertreter der Landeszentrale für politische Bildung teil.

Der Schwerpunkt des Besuchs lag auf der Erinnerungskultur. Im Mittelpunkt der Reise stand – nicht zuletzt auf der Grundlage der Resolution des Landtags gegen Antisemitismus – auch die Frage, wie sich dem Antisemitismus begegnen lässt.

Die Delegation besuchte die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Dort legte die Landtagspräsidentin einen Kranz nieder. Ihr Eintrag ins Gästebuch von Yad Vashem lautet: „An diesem Ort spricht die Erinnerung mit klarer Stimme: Niemals wieder! Wir tragen die Verantwortung dafür, dass diese Stimme nie verstummt.“

Informationen zum Israelbesuch auf der Homepage des Landtags:
www.landtag-bw.de

Shavei Zion

Begegnung mit Zeitzeugen

Begegnung mit dem Zeitzeugen Amos Fröhlich: Der gebürtige Tuttlinger begleitete Landtagspräsidentin Aras beim Rundgang durch Shavei Zion.
Foto: Landtag BW

Kaum ein anderer Ort in Israel ist so eng mit der Geschichte des deutschen Südwestens verflochten wie Shavei Zion.

Die Israelreise von Landtagspräsidentin Muhterem Aras führte deshalb nicht nur nach Tel Aviv und Jerusalem, sondern auch in die kleine Kommune nördlich von Haifa, die im April 1938 von jüdischen Familien aus Rexingen und anderen Landgemeinden in Württemberg gegründet worden war.

Beim Rundgang durch die Siedlung erkundete die Delegation der Präsidentin unter anderem das Archiv von Shavei Zion. Hier, in einem Wachturm aus dem Jahr 1940, werden bis heute die Gründungsdokumente des Dorfs verwahrt.

Höhepunkt der fünftägigen Informationsreise, an der auch Landtagsabgeordnete und Vertreter der Landeszentrale für politische Bildung teilnahmen, war die Begegnung mit Zeitzeugen, unter ihnen der 89jährige Amos Fröhlich, dessen Vater aus Rexingen kam.

„Die Geschichte des Dorfes Shavei Zion ist für mich eine Geschichte der Selbstbehauptung und eine Geschichte der Hoffnung“, erklärte Landtagspräsidentin Aras beim festlichen Empfang vor Zeitzeugen, Nachfahren, Bürgern aus Shavei Zion und Delegationsmitgliedern. Sie würdigte den Mut der Auswanderer, hob aber auch den Mut der nachwachsenden Generationen hervor, sich wieder zu den deutschen und schwäbischen Wurzeln zu bekennen: „Ohne Ihren Mut säßen wir heute nicht gemeinsam hier.“

Amos Fröhlich lud die Tischgesellschaft dazu ein, einen Stuhlreis zu bilden. Dann erzählte er seine Geschichte: vom Neuanfang in Shavei Zion damals, von seiner Entscheidung, als junger Mann zum Studium nach Deutschland zu gehen, von seiner Hoffnung zudem, die Erinnerung zu bewahren – etwa durch die Niederschrift seiner Biografie, die auch in deutscher Übersetzung erscheinen soll.

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Historischer Wachturm - Archiv

Im historischen Wachturm ist seit einigen Jahren das Archiv von Shavei Zion untergebracht. Foto LpB

Die Delegation aus Baden-Württemberg nutzte den Besuch vor Ort dazu, zwei Bauwerke in Augenschein zu nehmen, die an die Entstehungsgeschichte des Dorfs erinnern. Beide sind allerdings vom Verfall bedroht.

Der historische Wachturm, der seit einiger Zeit das Archiv beherbergt, ist ein einem miserablen Zustand. Durch das Dach dringt Wasser, der Putz bröckelt, in den vergangenen Jahren ist das Gebäude immer wieder verändert, aber nicht wirklich erhalten worden. Nun gilt es, Turm und Anbau mit denkmalpflegerischer Expertise zu sanieren.

Die Ortsarchivarin Judy Temine und Naama Neeman Mizrahi von der Gesellschaft zum Erhalt der Kulturerbestätten Israels erläuterten das Vorhaben, das von der Ortsverwaltung, der Genossenschaft Shavei Zion und vom Landkreis Shavei Zion, aber auch von deutscher Seite unterstützt wird: Der Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen sowie das Land Baden-Württemberg stellen Mittel bereit.

Ein Blick ins Archiv

Ein Blick ins Archiv: Das Dach ist undicht, das Gebäude hat sich in ein Provisorium verwandelt. Nach der Sanierung soll auch das Archiv geordnet, erschlossen und - so die Vision - digitalisiert werden. Foto LpB
Ein Blick ins Archiv des Wachturms. Foto LpB

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Denkmal für Dr. Otto Hirsch

Auch das Denkmal für den einstigen geschäftsführenden Vorsitzenden der Reichsvertretung der deutschen Juden Dr. Otto Hirsch dürfte sich bald in eine Baustelle verwandeln. Von dem Erinnerungszeichnen, das 1960 in unmittelbarer Nähe zum Meer errichtet wurde, ist nur noch ein Stein mit Inschrift erhalten, nachdem das Dach 2013 unter dem steten Einfluss der Witterung eingestürzt ist.

Der Ortschaftsrat will dem traurigen Zustand abhelfen. An jenen Mann, dem nicht nur die Gründer von Shavei Zion, sondern auch viele andere Juden die rettende Möglichkeit zur Auswanderung verdankten, soll wieder auf würdige Weise erinnert werden. Gideon Weil, Mitglied des neugewählten Ortschaftsrats von Shavei Zion, erläuterte die Pläne, für die man sich vor Ort ebenfalls finanzielle Unterstützung aus Deutschland erhofft. Ein Brief in dieser Sache ging zuletzt an das Auswärtige Amt.

Dr. Otto Hirsch und seine Frau Martha überlebten die NS-Diktatur nicht. Der gebürtige Stuttgarter starb 1941 im KZ Mauthausen. In seinem Namen soll nach den Überlegungen in Shavei Zion ein Stipendium ausgerichtet werden – im Sinne einer zeitgemäßen und nachhaltigen Erinnerung, zu der auch das Archiv nach seiner Sanierung und Erschließung einen wichtigen Beitrag leisten kann. Denn Ziel ist es, die kostbaren Unterlagen vor Ort zur Auswanderungs- und Gründungsgeschichte zu digitalisieren und somit interessierten Forschern weltweit, auch in Baden-Württemberg, den Zugriff zu ermöglichen.

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Neue Dokumentation

 

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Guide: Gedenkstätten in Baden-Württemberg

 

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Filmprojekt: "Mehr als alte Steine - Wie Geschichte erlebbar gemacht wird"

 

In Zusammenarbeit mit der LpB erstellten Studierende der Hochschule der Medien, Stuttgart (HdM) im Rahmen der Lehrveranstaltung „Videoproduktion“ einen Film über die Gedenkstättenarbeit in Baden-Württemberg.
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