Aus den Gedenkstätten:

Musiktheatercollage „Kain und Abel"

Euthanasievorkommnisse in der psychiatrischen Klinik Kaufbeuren zur NS-Zeit

Der Komponist Hans-Christian Hauser (Isny/München) komponierte im Jahr 2016 ein Musiktheater-Stück über Vorkommnisse in der Psychiatrischen Anstalt Kaufbeuren zur NS-Zeit und inszenierte es mit Studierenden seiner Interpretationsklasse für slawische und jüdische Vokalmusik an der Hochschule für Musik und Theater München im Carl-Orff-Saal im Gasteig, ebenfalls im Wilhelma-Theater Stuttgart (unter Schirmherrschaft
der Veranstaltung seitens Ministerpräsident Winfried Kretschmann und des Bezirkstagspräsidenten von Oberbayern, Josef Mederer). Grundlage der Inszenierung ist ein Dossier über die schrecklichen Vorkommnisse in der psychiatrischen Anstalt Kaufbeuren während der NS-Zeit.
 

Vier Handlungsstränge von Patienten des psychiatrischen Krankenhauses Kaufbeuren werden miteinander verwoben: die vier Dossiers über die tödlichen Impfversuche an Kindern im Auftrag eines Arztes aus dem bayerischen Allgäu, eine ukrainische landwirtschaftliche Arbeiterin, die schließlich ermordet wurde; derjenige eines Jungen aus dem Volksstamm der Jenischen, der mit 16 Jahren ermordet wurde, sowie derjenige einer
jüdischen Memmingerin, die ihr Klavier mit in die Anstalt nehmen durfte – jedoch ebenfalls ermordet wurde.

Diese Dossiers vermitteln eindrückliche Beschreibungen der Protagonisten, der pseudo-wissenschaftlichen Aktionen an ihnen und der Morde durch das medizinische Personal der Anstalt. Eine theologisch-religiöse Dimension vermittelt der Komponist durch kontrastierende Kombination mit dem biblischen Abschnitt über Kain und Abel und sowie einem der Klagepsalmen. Im feingliedrigen abwechslungsreichen Stil mit schönen Gesangslinien und berührender filigraner Musik steht es in einer Reihe mit Hans-Christian Hausers anderen Musiktheater-Collagen (über Chagall-Gedichte 2009, Gedichte des israelischen Dichters Dan Pagis 2011, Kafka-Erzählungen 2013 und "Die Himmelsleiter" - Oratorium zum Reformationsjubiläum 2017) und seiner Filmmusik zu den beiden Odysseefilmen 2022 und 2023.

Die Sopranistin Maria Anelli, die in dem Werk die jüdische Patientin Berta Weill verkörpert, schuf aus den Tonaufnahmen, Szenenfotos und historischen Fotos sowie den verwendeten Texten einen einprägsamen Videofilm. (Dauer 64 Minuten)

Der Film wird im Württembergischen Psychiatriemuseum Zwiefalten gezeigt, und er wurde von Yad VaShem (Israel) ins Archiv aufgenommen und kann dort jederzeit von Besuchern angeschaut werden.

Bei Interesse an einer Aufführung des Films wenden Sie sich bitte per Mail an Hans-Christian Hauser

Text: Hans-Christian Hauser

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