Besucher:innenstatistik 2020 der Gedenk- und Erinnerungsstätten in BW
Gedenkstättenbesuche im Zeichen von Corona

Keine Besucher:innen weit und breit - zu Zeiten der Corona-Pandemie ein gängiges Bild an vielen Gedenkstätten. Foto: Jüdisches Museum Göppingen/Rose Hajdu
Das Jahr 2020 verzeichnet die niedrigsten Besucher:innenzahlen seit Beginn der Erhebungen durch die Landeszentrale für politische Bildung im Jahr 2012. Dies war vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie bereits zu erwarten. Mit den mehrfachen Lockdowns und dem gezwungenermaßen Fernbleiben von Schulklassen und Besucher:innen hat sie deutliche Spuren hinterlassen. Die jährliche Besucher:innenzahl von in der Regel mehr als 300.000 hat sich mehr als halbiert. Mit gerade einmal 94.307 Besucher:innen in 71 Gedenkstätten waren es im Jahr 2020 knapp über 60 Prozent weniger erfasste Besucher:innen als im Vorjahr. Betrachtet man die 62 Gedenkstätten, die sowohl für 2019 als auch für 2020 Besucher:innenzahlen gemeldet haben, ergibt sich sogar ein Rückgang um 68 Prozent. Viele der 71 Einrichtungen, die an der Erhebung für 2020 teilgenommen haben, mussten aufgrund der COVID-19-Pandemie vollständig oder zeitweise schließen. Die Einschränkungen wirkten sich auch auf die Arbeit der Orte aus.
Einrichtungen zum Themenfeld | Besucher:innen | Anteil | Rückmeldungen (Anzahl) |
Jüdische Geschichte und Holocaust | 15.555 | 16 % | 28 |
KZ/Zwangsarbeit | 26.278 | 28 % | 20 |
„Euthanasie“ | 10.000 | 11 % | 1 |
Widerstand | 7.371 | 8 % | 9 |
Sinti und Roma | 5.236 | 6 % | 1 |
Aufarbeitung und Erinnerung an NS-Zeit | 145 | 0,15 % | 3 |
DDR | 1.371 | 1 % | 1 |
Demokratie und Freiheit | 28.351 | 30 % | 8 |
Gesamt | 94.307 | 100 % | 71 |
Besucher:innenstruktur
2020 betrug der Anteil erwachsener Besucher:innen 57 Prozent, derjenige der Jugendlichen 19 Prozent. In 24 Prozent der Fälle konnten keine Angaben zum Alter der Besucher:innen gemacht werden.
Angebote und Mitarbeiter:innenstruktur
Auch die Struktur der Angebote hat sich im Jahr 2020 deutlich verändert. Die Angebotsformen Beratungen und Führungen waren zwar auch schon in den letzten Jahren stets die verbreitetsten, doch hat der Anteil der Beratungen stark zugenommen. Waren es 2019 noch 38 Prozent sind es in 2020 53 Prozent. Dies ist unter Pandemiebedingungen kaum verwunderlich, lässt sich ein Beratungsgespräch auch doch leicht online oder per Telefon realisieren, während das Format Führung in der Regel vor Ort und im persönlichen Kontakt stattfindet. Digitale Angebote gab es freilich auch in diesem Bereich.
Trotz aller Widrigkeiten leisteten die 604 regelmäßig tätigen Ehrenamtlichen und die 85 Jugendguides an den Einrichtungen rund 35.908 ehrenamtliche Stunden. Diesem großen Engagement trotz der schwierigen Bedingungen in der Pandemie gebührt großer Dank. Vielerorts wurde auf Onlineveranstaltungen und -formate umgeschwenkt oder man konzentrierte sich verstärkt auf Forschungs-, Publikations- und Verwaltungsarbeit.
Download der Besucher:innenstatistik 2020 (präsentiert im Rahmen der LAGG-Jahresdelegiertenversammlung am 10. Juli 2021) (PDF, 667 KB)