Gedenkstätten

 

Schüler-Filmwoche „Hassjünger"

Die Geschichte zweier Aussteiger

Eine Kooperation der Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald“, der KZ-Gedenkstätte Neckarelz und dem Kinostar Neckarelz, unterstützt durch die Amadeu-Antonio-Stiftung und den Förderfonds Demokratie.

Das Projekt der Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald“ in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neckarelz und dem Kino Neckarelz zum Film „Hassjünger“ fand vom 09.03. bis zum 13.03.2020 in mehreren Schulen im Neckar-Odenwald-Kreis statt. Unterstützt wurde die Projektwoche durch die Amadeu-Antonio-Stiftung und den Förderfonds Demokratie. Ziel des Projektes ist es, anhand zweier Aussteiger aus extremistischen Szenen aufzuzeigen, wie schnell eine Radikalisierung voranschreiten kann und wie schwer es ist, aus solchen Szenen auszusteigen.

Der Film

Der Film „Hassjünger. Die Geschichte zweier Aussteiger“ aus dem Jahr 2018 thematisiert das Leben der beiden Aussteiger aus extremistischen Szenen Dominik Schmitz und Felix Benneckenstein. Felix Benneckenstein war fast zehn Jahre ein Neonazi. Er radikalisierte sich in der Szene im bayrischen Erding. Später zog er nach Dortmund und wurde als nationalistischer Liedermacher „Flex“ bekannt. Dominic Schmitz konvertierte mit 17 Jahren zum Islam und radikalisierte sich in der Salafisten-Szene. Er wurde zum Vertrauten des bekannten Salafisten Sven Lau und hatte Kontakt zu Pierre Vogel. 2013 stieg er aus der Szene aus.

Der Film geht den Fragen nach, warum sich Menschen radikalisieren und was diese so anziehend an extremistischen Weltbildern finden. Dabei versucht die Dokumentation nach eigenen Angaben „nicht anzuprangern, sondern zu verstehen.“ Die Zuschauer*innen sollen auf diese Szenen aufmerksam gemacht werden. Sie sollen sehen, wie ein Leben in einer extremistischen Gruppierung aussehen kann, und dass das Ursachengeflecht für den Einstieg in solche Gruppierungen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – sich doch auf erstaunliche Weise ähnelt. Der Film zeigt, dass es dennoch kein pars pro toto gebe, weder für den Einstieg noch für den Ausstieg aus den unterschiedlichen extremistischen Szenen, so Julia Knopp und Max Damm.

Der Aufbau

Das Projekt der Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald“ in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neckarelz und dem Kinostar Neckarelz zum Film „Hassjünger“ fand vom 09.03. bis zum 13.03.2020 in mehreren Schulen im Neckar-Odenwald-Kreis statt. Unterstützt wurde die Projektwoche durch die Amadeu-Antonio-Stiftung und den Förderfonds Demokratie.

Insgesamt nahmen zehn Schulen aller weiterführenden Schularten teil. Vor dem Film gab es jeweils eine kurze Einleitung, im Anschluss daran die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder zu diskutieren. Zu Beginn der Woche waren abwechselnd die beiden Regisseure Julia Knopp und Max Damm anwesend, die für Fragen bereitstanden. In der zweiten Wochenhälfte übernahmen Aktive der Initiative „Herz statt Hetze“ diesen Part. Hatte diese bereits in der Vergangenheit ähnliche Schulfilmwoche veranstaltet, war in diesem Jahr war zum ersten Mal auch die KZ-Gedenkstätte Neckarelz beteiligt. Die beiden Kooperationspartner organisierten abwechselnd die unterschiedlichen Spielorte der Schulfilmwoche.

Die Ziele

Ziel des Projekts war es, anhand der beiden Aussteiger Schmitz und Benneckenstein aufzuzeigen, wie schnell eine Radikalisierung gerade auch von Jugendlichen vonstattengehen kann und wie schwer es ist, aus solchen Szenen wieder auszusteigen. Die Jugendlichen sollten persönliche Motivationen und Umstände der beiden Aussteiger kennenlernen und verstehen, wie sich die beiden radikalisieren konnten. Die Kooperationspartner wollten darüber mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen und ihre Fragen zum Film und zu den beiden Biografien beantworten.

Der Ablauf

Die Vorstellungen in den Schulen fanden teilweise vor gemischten Gruppen verschiedener Klassen und Klassenstufen aber auch verschiedener Schulen statt. Vorgestellt wird im Folgenden der Projekt-Tag am 12.03.2020 in den Räumen der Abt-Bessel-Realschule Buchen.

Um 13.30 Uhr versammelten sich Schülerinnen und Schüler der Abt-Bessel-Realschule und der Karl-Trunzer Gemeinschaftsschule der 7. und 8. Klasse in der Aula der Abt-Bessel-Realschule Buchen. Nach einleitenden Worten durch die Lehrerschaft und von den zwei anwesenden Mitgliedern der Initiative „Herz statt Hetze Neckar-Odenwald“ wurde in der teilweise von Spannung und Erwartungen geprägten Situation der Film gestartet.
Markus Dosch und Alexander Weinlein vom Verein „Herz statt Hetze“ (Foto: Herz statt Hetze)

Nach der Vorstellung traten die Mitglieder von „Herz statt Hetze“ wieder ans Mikrofon und eröffneten die Diskussions- und Fragerunde. Zunächst herrschte Stille, dann folgte wildes Getuschel. Als sich zunächst niemand meldete, gab es von Seiten der Veranstalter weiterführende Informationen und Hinweise auf Fragen anderer Gruppen im Laufe der Projektwoche. Dies lockerte die Situation und die Schüler*innen meldeten sich zu Wort. Gefragt wurde, warum die Neonazis in Dortmund-Dorstfeld das Nummernschild des Busses, in dem das Kamerateam mit Felix Benneckenstein saß, fotografierten, wovon die beiden Protagonisten gelebt hatten, solange sie in der Szene aktiv waren und wovon sie heute leben, Ob die beiden immer noch bedroht werden, und – wenn es denn so gefährlich sei auszusteigen –, warum Felix Benneckenstein mit den Leuten vom Filmteam nach Dortmund-Dorstfeld gefahren sei, und warum sich beide Aussteiger entschieden hatten, bei einem solchen Film mitzuwirken. Ferner interessierten sich die Jugendlichen dafür, wie die beiden den Ausstieg geschafft hatten und wie bekannt Felix Benneckenstein in der Szene gewesen war.

Eine solche Schulwoche zeigt, wie gut eine Zusammenarbeit zwischen Schulen, einer Gedenkstätte und den Ehrenamtlichen eines Vereins sein kann. Dieses eröffnet allen Beteiligten eine neue Sicht auf die Dinge und gibt Schüler*innen die Möglichkeit, Themen von einer anderen Seite als dem klassischen Frontalunterricht anzugehen und durch die Diskussion noch zu vertiefen.


Text: Anne-Lena Dreikluft, Aufbereitung für das Netz: Internetredaktion der LpB (Stand: April 2020)

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Der Film in der ARD-Medialthek

22.11.2019 Doku & Reportage, SWR Fernsehen
Junger Dokumentarfilm über die Radikalisierung von Jugendlichen zu Extremisten. Über die Entstehung von Hass auf Andersdenkende und die Macht von Ideologien.
Video verfügbar bis: 20.11.2020, 16:00 Uhr

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